Logbuch: August 1999

Recht auf Wohnung

Hoffnung in Lille

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Das Vergehen der Solidarität

 

 

Buch: Knospe, ...

Partenia in Zahlen




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Recht auf Wohnung

Etwa sechzig Familien, die im Lauf des Sommers 1998 aus ihren Wohnungen vertrieben worden waren, campen auf der Straße, um für ihr Recht auf Wohnung zu demonstrieren. Man hatte ihnen versprochen, sie rasch wieder unterzubringen. Aber einmal mehr hatte man sich nicht an die Versprechen gehalten, und die Familien wohnen immer noch in baufälligen, unwirtlichen Hotels. Die Lebensumstände sind schwierig: keine Mahlzeiten, winzige Zimmer, Schwierigkeiten, wenn man die Kinder zur Schule schicken will, Schikanen von seiten der Vermieter, die aus dieser Situation auch noch Kapital schlagen wollen. Diese Familien haben meistens unsichere Arbeitsstellen und verdienen sehr wenig: Das Gesuch um eine Sozialwohnung haben sie schon vor langer Zeit gestellt, manchmal vor zehn, zwanzig Jahren!
Ich schäme mich, während ich die fünf Stockwerke des Hotels besichtige, besonders als ich sehe, wie in einem einzigen Raum eine sechsköpfige Familie haust! Angesichts dieser Situation, die sich so schnell sicher nicht ändern wird, beschließen wir, eine Aktion zu starten, die nicht unbeachtet bleiben wird. Professor Albert Jacquard holt mich eines Morgens mit dem Auto ab, an einem andern Ort von Paris steigt Professor Léon Schwartzenberg zu und der Präsident von "Recht auf Wohnung" (Droit au Logement), Jean-Baptiste Ayrault. Dann holen wir noch, wie abgemacht, den Abbé Pierre. Zu fünft suchen wir nun die Familien auf, die uns in ihrem Lager auf der Straße erwarten. Aber warum muß es so weit kommen! ­ Auf diese Intervention hin wurden dann diese Menschen auf Geheiß der Stadtverwaltung von Paris wieder in richtigen Wohnungen untergebracht.

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Das Vergehen der Solidarität

Die Sans-papiers sind verzweifelt. Sie haben ihr Leben durch Hungerstreiks aufs Spiel gesetzt. Täglich müssen sie vor Polizeikontrollen Angst haben. Und vor allem lassen sie sich von denen, die sie anstellen, ausbeuten. Wir haben diesen Leuten geholfen, wir haben sie begleitet, sind Patenschaften eingegangen. Das genügt nicht. Sie haben viel gegeben. Jetzt ist es an uns, mehr zu geben.
Mehrere Vereinigungen haben einen Aufruf gemacht: "Wir weichen nicht von der Seite der Papierlosen. Verleiht ihnen einen regulären Status, oder beschuldigt uns alle."
Ein paar hundert Aktivisten haben sich auf der Place Vendôme unter den Fenstern des Justizministeriums versammelt, um zu erklären: "Wir sind schuldig, weil wir Papierlosen geholfen haben. Ihr müßt uns des Vergehens der Solidarität schuldig sprechen" (gemäß Artikel 21 des Erlaßes von 1945 und nach Artikel 12 des Chevénement-Gesetzes). Wir bleiben dran.
 

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Hoffnung in Lille

Ich besuche aufgewühlt die 22 Sans-papiers von Lille, die sich seit 36 Tagen im Hungerstreik befinden. Bei jedem einzelnen von ihnen bleibe ich stehen; sie liegen geschwächt auf ihren Matratzen. Blicke und Gesten gewinnen in diesen Augenblicken eine große Bedeutung. Es kommt mir vor wie die Zeremonie der Fußwaschung, während ich vor ihnen niederknie.
Der neue Präfekt hat sechzehn Personen gültige Aufenthaltspapiere gegeben, aber es bleiben noch sechs übrig. Die Hungerstreikenden äußern ihre Wünsche: "Gehen Sie zum Präfekten. Sagen Sie ihm, daß wir mit dem Hungerstreik fortfahren, solange diese sechs keinen regulären Status bekommen. Wir bleiben solidarisch. Wir sind in erster Linie nicht Papierlose, sondern menschliche Wesen. Mit unserer Würde!"
Wir begeben uns zur sonnenüberfluteten Grande Place, wo die Leute in Scharen zusammengeströmt sind, um der Veranstaltung beizuwohnen. Mitten in der Menge wenden sich zwei junge Farbige an mich: "Wir möchten Ihnen die Hand drücken zum Dank für das, was Sie tun." Und einer von ihnen fügt hinzu: "Und lassen Sie sich vor allem nie bestechen." Diese Worte wecken in mir ein Gefühl der Bewunderung.
Nach der Kontaktnahme empfängt der Präfekt sogleich eine Delegation. Ein sehr seltenes Phänomen! Er selber erwartet uns im großen Saal und führt uns in sein Büro, allein mitten unter uns. Da haben wir schon ganz andere Präfekturen erlebt: Stundenlanges Warten, ohne informiert zu werden, und am Schluß mußte man unverrichteter Dinge wieder abziehen! Der Präfekt hört uns zu, macht Notizen. Er ergreift dann das Wort, nicht um uns eine Lektion zu erteilen oder an seine Aufgabe zu erinnern, sondern er verspricht, die sechs Dossiers nochmals zu prüfen. ­ Später nimmt er mit uns Kontakt auf, weil einer dieser Fälle problematisch ist. An ein solches Verhalten sind wir gar nicht mehr gewöhnt!
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PS: Partenia in Zahlen, Jahr 1998

Gesamtzahl - Homepages während eines Jahres, publziert in sieben Sprachen: 66 430
Geamtzahl von Internetbesuchern bei Partenia: 114 000
Zunahme von Besuchern innerhalb eines Jahres: 22'000
Besucher pro Monat bei Partenia im Internet: 9 500
E-mail an Bischof Jacques Gaillot: 2' 500
E-mail an den Webmaster: 1460
Aktive Forumteilnehmer vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1998: 393
 

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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Der Journalist Jean-Claude Raspiengeas hat sich mit Jacques Gaillot zusammengesetzt, um diesem Menschen auf die Spur zu kommen. Die im Buch Je prends la liberté gesammelten Gespräche vermitteln eine packende Persönlichkeit: packend in ihrer selbstverständlichen Liebe, packend in ihrer klaren Sicht der Zusammenhänge, packend in den ungeduldigen Forderungen an die Kirche.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.

Es wird für die LeserInnen des Buches deutlich, daß Jacques Gaillots Engagement eine ganz persönliche Biographie besitzt. Da ist ein Mensch vorbereitet worden oder wie er selber es gern ausdrückt: da ist ein Mensch geschützt worden, damit er später anderen zum Schutz werden kann. Zugleich macht der biographische Hintergrund aber auch klar: Da hat ein Mensch einen inneren Auftrag erhalten, der sich weder durch die familiären Zusammenhänge noch durch die kirchliche Prägung erklären läßt. In Jacques Gaillot ist der Kirche eine prophetische Existenz geschenkt worden, mit der sie sich wie immer bei Propheten nur schwer zurechtfinden kann.

Als Prophet tritt Jacques Gaillot auf, wenn es um die Randfiguren der Kirche geht. Er möchte sie in die Mitte stellen. Denn am Umgang mit ihnen entscheidet sich die Echtheit der Kirche. Zu den Randfiguren gehören nach ihm: die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die verheirateten Priester, die Geschiedenen, die wieder geheiratet haben.

Die kirchliche Ordnung verweist sie an den Rand oder demütigt sie zu Empfängern des kirchlichen Mitleids. Jacques Gaillot stellt sie in die Mitte und engagiert sich für ihr Selbstbewußtsein. Als Prophet spricht Jacques Gaillot zudem, wenn er die vorschnellen Absicherungen der Kirche kritisiert, seien es die Absicherungen politischer Art mit den bestehenden Machtgefügen, seien es die Absicherungen kirchenpolitischer Art mit Konzepten, die der Kirche keine echte Erneuerung zumuten, sondern lediglich Rückzugsgefechte im Dienste veralteter Vorstellungen.

Sonnenaufgang in der Wüste Ich wähle die Freiheit erlaubt eine vielseitige Lektüre. Das Buch eignet sich für LeserInnen, die über Jacques Gaillot persönlich mehr erfahren möchten. Die Lebensstationen werden deutlich, aber auch der Mensch mit seinem Charakter. Auf sehr lebendige Art vermittelt das Buch dank seiner Gesprächsform den ungezwungenen Charme, den Witz, das spontane Ringen und die kritische Klarheit von Jacques Gaillots Denken und Sprechen.
LeserInnen, die an der gegenwärtigen Entwicklung und Nicht-Entwicklung der Kirche interessiert sind. Anhand vieler konkreter Beispiele und Situationen schildert Jacques Gaillot selber, was an der Kirche veraltet ist und wie allenfalls die Kirche der Zukunft ausschauen kann. Trotz der vielen beängstigenden Probleme in und rund um die Kirche wird in der Person Jacques Gaillot selber jene Kraft spürbar, die auch mit der Kirche eine Zukunft gestalten kann.
LeserInnen, die persönlich auf einer religiösen Suche sind. Das Engagement Jacques Gaillots in der Kirche, aber auch seine Freiheit, sich durch verhärtete Normen der Kirchenordnung und durch Strafmaßnahmen nicht imponieren zu lassen, werden im Laufe der Lektüre zu einem Maßstab für den eigenen Weg zwischen Eigenständigkeit und Anpassung, zwischen Besinnung und Einsatz.

Ich wähle die Freiheit Je prends la liberté ist ein wertvolles Buch, weil hinter ihm ein Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe steht, ein Mensch, der zudem weiß, daß hinter ihm ein Anderer steht, Jesus, mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe.
Je prends la liberté erscheint erstmals auf deutsch.
 
Sonnenaufgang in der Wüste
Sein Weg in Freiheit durch die Wüste wird zu reden geben. Denn was Jacques Gaillot bei den Bischöfen der französischen Kirche oft vermißt, ist die mangelnde demokratische Auseinandersetzung. Gilt dies nicht auch für den Großteil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bischöfe? Nicht umsonst hat Jacques Gaillot seine Wüstendiözese Partenia auch auf diese Länder ausgedehnt.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.
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Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois

Im neuesten Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.
Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.
Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.
Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.
Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.
Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen und ihre Sicht der Dinge und ihre politischen Vorstellungen in Frage stellen:
- die Flüchtlinge in der Kirche Saint-Bernard
- die Einpferchung von Menschen in unwürdige und billige Sozialbauten und die Zerstörung der Kommunikation, der Palaverbaum ist weg
- das Problem Atombombe und nukleare Bewaffnung
- die Ermordung der Mönche von Tibéhirine
- die freundschaftliche Verbindung zu einem Imam
- die Messe mit Obdachlosen in der Rue du Dragon
- wohin mit der Asche eines Clochards?
 
Der Bischof und aller Aufgabe ist es, nachzudenken über eine Kirche, die mehr denn je im Menschen tiefe Wurzeln schlagen muß, um den Stürmen standzuhalten.
Eine Kirche, die die Freuden und Ängste der Menschen kennt und sie mit ihnen teilt.
Quer durch alle Ereignisse hindurch bekennt Jacques Gaillot seinen lebendigen Glauben, öffnet eine Tür zur Hoffnung, spricht von Liebe, nicht von Belehrung.
Seine Aufgabe als Bischof sieht er vor allem darin, den Verzweifelten und Ausgeschlossenen seine Hand in Liebe und Brüderlichkeit entgegenzustrecken.
In diesem vielseitigen Werk vermittelt Jacques Gaillot den LeserInnen auf sehr lebendige Art wahre Zeugnisse von Begegnungen auf allen Ebenen. Der Bischof von Partenia ist immer mit seinem Volk unterwegs.
Offen und wahrhaftig ermutigt er all jene, die die Knospe in sich tragen, diese zur Blüte zu bringen.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag,
Edition K. Haller erhältlich.
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