Logbuch: März 1998


Selbstmord oder Hoffnung Europa hinter Stacheldraht

Licht für alle Treffen in Brügge

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PS: Partenia in Zahlen Buch: Sonnenaufgang ...

Buch: Knospe, ...





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Selbstmord oder Hoffnung

 

Ich besuche im Spital den 26jährigen Thierry, der aus dem Leben scheiden wollte. Ich kannte ihn und war überrascht über diesen Selbstmordversuch. Er aber war völlig verzweifelt. Enttäuschung in der Liebe, keine Arbeit, eine düstere Zukunft:

Thierry sah keinen Sinn mehr im Weiterleben.

Er ist nicht der einzige. Viele wollen sich heutzutage das Leben nehmen. In Frankreich sind letztes Jahr mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle ums Leben gekommen.

Während ich Thierry anschaue, der langsam wieder Freude am Leben bekommt, denke ich an ein Gedicht von Paul Eluard, das ich allen Zweifelnden widmen möchte:

        Es ist nie vollständig Nacht
        es gibt immer, das weiß ich
        das behaupte ich
        im tiefsten Kummer
        ein offenes Fenster
        ein erhelltes Fenster
        es gibt immer einen wachen Traum
        einen Wunsch zu erfüllen
        einen Hunger zu stillen
        ein großmütiges Herz
        eine gehaltene Hand
        eine offene Hand
        aufmerksame Augen
        ein Leben
        das LEBEN zu teilen
         
        Paul Eluard
         


 

 

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Europa hinter Stacheldraht

 

So lautet ein Buchtitel. Der Autor lädt mich zu einer in der Buchhandlung "l'Harmattan" organisierten Diskussion über dieses Thema ein. Ein meiner Ansicht nach aktuelles Thema: In Europa werden immer mehr spezielle Zentren errichtet, um die Ausländer einzusperren, in den Schiffshäfen, bei den Flughäfen.

Wir ertragen es nicht, daß die Ausländer zu uns kommen, also werden sie kurzerhand eingesperrt.

Ohne Urteil werden sie durch einen administrativen Beschluß ihrer Freiheit beraubt - für wie lange, das spielt keine Rolle, die Zeit, die sie mit angstvoller Erwartung verbringen, wiegt für uns nicht schwer.

Es ist nicht einfach, bis in diese Zonen vorzudringen. Geheimhaltung wird in diesen Angelegenheiten großgeschrieben.

Immerhin hatte ich Einblick in ein solches Zentrum, und ich werde nicht so schnell vergessen, was ich da gesehen habe: eingepferchte junge Leute, von der Außenwelt abgeschnitten, verängstigt, verzweifelt. Ich weiß, daß dort die Selbstmorde immer mehr zunehmen.

Es ist eine andere Welt - und doch so nah bei den Reisenden, die dort ahnungslos vorbeihasten.

 

 

 

 

 

 


 


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Licht für alle

 

Arbeitslose, Gewerkschafter, Verbandsaktivisten besetzen die Eingangshalle des EDF-Hauptsitzes (Electricité de France). Ich befinde mich unter ihnen.

Ihre Forderungen: Den zahlungsunfähigen Familien soll der Strom nicht mehr abgestellt werden, Karten-Zähler und Verbrauchsbeschränkungen sollen aufgehoben werden, außerdem sollen die EDF-Beamten, die sich weigern, den Strom abzustellen, keine Sanktionen mehr befürchten müssen.

In Frankreich leben 8 Millionen Menschen in Armut und Not. Die Elektrizität ist zu einem notwendigen Bedürfnis geworden, um so mehr, als zahlreiche günstige Mietwohnungen mit allen elektrischen Schikanen ausgestattet wurden, ohne dass die Mieter nach ihrer Meinung gefragt worden wären.

Den Strom abstellen - das gehört dazu, wenn Leute ausgeschlossen werden.

Ist jetzt nicht der Moment gekommen, einen durch den Staat garantierten Zugang zur Energie für alle zu ermöglichen?

Die Generaldirektion der EDF ist bereit, eine Delegation zu empfangen.

Ein erster Schritt ist getan.

 

 

 

 

 

 

 

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Treffen in Brügge

 

Es erfüllt mich mit Glück, hier auf flämischem Gebiet mit vielen andern zusammen - und sei es auch nur für ein paar Stunden - Kirche zu sein.

Ich begegne verantwortungsbewußten, freien, in die Zukunft blickenden Christen. Für mich ein Bild des zur Reife gelangten Volkes Gottes. Zusammen sind wir die Kirche.

Einige von ihnen leiden an dieser Kirche, aber sie lassen sich nicht entmutigen. Andere fühlen sich mutlos, aber sie sind nicht verzweifelt.

Ich danke Gott und denke an die Worte des Apostels Paulus:

"Wir gedenken Euer in unseren Gebeten und denken unablässig vor unserem Gott und Vater an Euer Werk des Glaubens und die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus" ( 1. Brief an die Thessalonicher 1,3).


Jacques Gaillot

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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PS: Partenia in Zahlen, 1997

 

Im Monat, Anzahl Seiten vorgestellt im Internet: 175

Gesamtzahl - Homepages während eines Jahres, publziert in sieben Sprachen: 63'875

Geamtzahl von Internetbesuchern bei Partenia: 92'000

Zunahme von Besuchern innerhalb eines Jahres: 22'000

Besucher pro Monat bei Partenia im Internet: 7'660

E-mail an Bischof Jacques Gaillot: 2'300

E-mail an den Webmaster: 346


 







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Der Journalist Jean-Claude Raspiengeas hat sich mit Jacques Gaillot zusammengesetzt, um diesem Menschen auf die Spur zu kommen. Die im Buch Je prends la liberté gesammelten Gespräche vermitteln eine packende Persönlichkeit: packend in ihrer selbstverständlichen Liebe, packend in ihrer klaren Sicht der Zusammenhänge, packend in den ungeduldigen Forderungen an die Kirche.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.

Es wird für die LeserInnen des Buches deutlich, daß Jacques Gaillots Engagement eine ganz persönliche Biographie besitzt. Da ist ein Mensch vorbereitet worden oder wie er selber es gern ausdrückt: da ist ein Mensch geschützt worden, damit er später anderen zum Schutz werden kann. Zugleich macht der biographische Hintergrund aber auch klar: Da hat ein Mensch einen inneren Auftrag erhalten, der sich weder durch die familiären Zusammenhänge noch durch die kirchliche Prägung erklären läßt. In Jacques Gaillot ist der Kirche eine prophetische Existenz geschenkt worden, mit der sie sich wie immer bei Propheten nur schwer zurechtfinden kann.

Als Prophet tritt Jacques Gaillot auf, wenn es um die Randfiguren der Kirche geht. Er möchte sie in die Mitte stellen. Denn am Umgang mit ihnen entscheidet sich die Echtheit der Kirche. Zu den Randfiguren gehören nach ihm: die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die verheirateten Priester, die Geschiedenen, die wieder geheiratet haben.

Die kirchliche Ordnung verweist sie an den Rand oder demütigt sie zu Empfängern des kirchlichen Mitleids. Jacques Gaillot stellt sie in die Mitte und engagiert sich für ihr Selbstbewußtsein. Als Prophet spricht Jacques Gaillot zudem, wenn er die vorschnellen Absicherungen der Kirche kritisiert, seien es die Absicherungen politischer Art mit den bestehenden Machtgefügen, seien es die Absicherungen kirchenpolitischer Art mit Konzepten, die der Kirche keine echte Erneuerung zumuten, sondern lediglich Rückzugsgefechte im Dienste veralteter Vorstellungen.

Sonnenaufgang in der Wüste Ich wähle die Freiheit erlaubt eine vielseitige Lektüre. Das Buch eignet sich für LeserInnen, die über Jacques Gaillot persönlich mehr erfahren möchten. Die Lebensstationen werden deutlich, aber auch der Mensch mit seinem Charakter. Auf sehr lebendige Art vermittelt das Buch dank seiner Gesprächsform den ungezwungenen Charme, den Witz, das spontane Ringen und die kritische Klarheit von Jacques Gaillots Denken und Sprechen.
LeserInnen, die an der gegenwärtigen Entwicklung und Nicht-Entwicklung der Kirche interessiert sind. Anhand vieler konkreter Beispiele und Situationen schildert Jacques Gaillot selber, was an der Kirche veraltet ist und wie allenfalls die Kirche der Zukunft ausschauen kann. Trotz der vielen beängstigenden Probleme in und rund um die Kirche wird in der Person Jacques Gaillot selber jene Kraft spürbar, die auch mit der Kirche eine Zukunft gestalten kann.
LeserInnen, die persönlich auf einer religiösen Suche sind. Das Engagement Jacques Gaillots in der Kirche, aber auch seine Freiheit, sich durch verhärtete Normen der Kirchenordnung und durch Strafmaßnahmen nicht imponieren zu lassen, werden im Laufe der Lektüre zu einem Maßstab für den eigenen Weg zwischen Eigenständigkeit und Anpassung, zwischen Besinnung und Einsatz.

Ich wähle die Freiheit Je prends la liberté ist ein wertvolles Buch, weil hinter ihm ein Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe steht, ein Mensch, der zudem weiß, daß hinter ihm ein Anderer steht, Jesus, mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe.

Je prends la liberté erscheint erstmals auf deutsch.
Sonnenaufgang in der Wüste
Sein Weg in Freiheit durch die Wüste wird zu reden geben. Denn was Jacques Gaillot bei den Bischöfen der französischen Kirche oft vermißt, ist die mangelnde demokratische Auseinandersetzung. Gilt dies nicht auch für den Großteil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bischöfe? Nicht umsonst hat Jacques Gaillot seine Wüstendiözese Partenia auch auf diese Länder ausgedehnt.
 
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.


 

 





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois

Im neuesten Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.

Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.

Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.

Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.

Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.

Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen und ihre Sicht der Dinge und ihre politischen Vorstellungen in Frage stellen:
- die Flüchtlinge in der Kirche Saint-Bernard
- die Einpferchung von Menschen in unwürdige und billige Sozialbauten und die Zerstörung der Kommunikation, der Palaverbaum ist weg
- das Problem Atombombe und nukleare Bewaffnung
- die Ermordung der Mönche von Tibéhirine
- die freundschaftliche Verbindung zu einem Imam
- die Messe mit Obdachlosen in der Rue du Dragon
- wohin mit der Asche eines Clochards?

 

Der Bischof und aller Aufgabe ist es, nachzudenken über eine Kirche, die mehr denn je im Menschen tiefe Wurzeln schlagen muß, um den Stürmen standzuhalten.

Eine Kirche, die die Freuden und Ängste der Menschen kennt und sie mit ihnen teilt.

Quer durch alle Ereignisse hindurch bekennt Jacques Gaillot seinen lebendigen Glauben, öffnet eine Tür zur Hoffnung, spricht von Liebe, nicht von Belehrung.

Seine Aufgabe als Bischof sieht er vor allem darin, den Verzweifelten und Ausgeschlossenen seine Hand in Liebe und Brüderlichkeit entgegenzustrecken.

In diesem vielseitigen Werk vermittelt Jacques Gaillot den LeserInnen auf sehr lebendige Art wahre Zeugnisse von Begegnungen auf allen Ebenen. Der Bischof von Partenia ist immer mit seinem Volk unterwegs.

Offen und wahrhaftig ermutigt er all jene, die die Knospe in sich tragen, diese zur Blüte zu bringen.

Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag,
Edition K. Haller erhältlich.