Logbuch: Mai 1999

Marseille: Auf die Straße gestellte Familien

Dschibuti: Politische Gefangene

Schweigemarsch der Solidarität

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Strassburg: Friedensmarsch

Philadelphia: Verteidigung für Mumia Abu Jamal

 

Partenia in Zahlen

Buch: Knospe, ...




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MARSEILLE: AUF DIE STRASSE GESTELLTE FAMILIEN

 

Ich nehme mit Professor Schwartzenberg den Zug; der Präsident der Bewegung DAL ("Droit au logement" = Recht auf Wohnung) ist auch dabei. Es ist eine Freude, in ihrer Gesellschaft zu reisen. Es ist in dieser Woche schon das zweite Mal, daß wir nach Marseille fahren. Mitten in der Stadt haben Familien ein leeres Gebäude besetzt. Eines Abends werden sie von den Ordnungskräften brutal verjagt, ohne daß man für sie neue Wohnungen organisiert hätte. Die Familien wissen nicht wohin. Die Marseiller Organisation DAL reicht Klage ein.

Vor der bezaubernden Kulisse des alten Hafens findet eine Versammlung statt. Es herrscht kein Großandrang. Es ist die Zeit der Schulferien, und dazu noch Karsamstag! Die Familien freuen sich über unsere Anwesenheit. Sie wollen nicht klein beigeben, sie werden weiterkämpfen. Nachdem verschiedene Personen das Wort ergriffen haben, defilieren wir bis zum Rathaus und verlangen, dort empfangen zu werden. Die Leute bleiben stehen und blicken auf unsere Spruchbänder: "Jeder hat das Recht auf ein Dach über dem Kopf", "Keine Vertreibung ohne Unterbringung".

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STRASSBURG: FRIEDENSMARSCH

 

Die Friedensbewegung, der ich seit mehreren Jahren angehöre, hält vor dem Europapalast ein Treffen ab. Viele junge Deutsche sind mit Spruchbändern da: "Der Krieg: ein Verbrechen gegen die Menschheit", "Stoppt die Luftangriffe", "Nato und Bombardements bringen keine Lösung". Man bietet mir die Gelegenheit, den Medien gegenüber festzustellen, daß die Entscheidung für den Krieg bereits ein Scheitern ist. Nach verschiedenen Reden machen wir uns auf einen langen Marsch durch Frankfurt. Ein Marsch für den Frieden am Ostertag!

 

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DSCHIBUTI: POLITISCHE GEFANGENE

 

Seit 19 Monaten werden in Dschibuti etwa 40 politische Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Zwei Häftlinge sind bereits gestorben. Acht andere sind in Gefahr. Um zu protestieren, haben sich alle entschlossen, in den Hungerstreik zu treten. Aus Solidarität mit ihnen haben Landsleute in Belgien und Frankreich dasselbe getan. Ich besuche die Gruppe von Bagnolet in einer Pariser Vorstadt. In einem bescheidenen Lokal lerne ich Aischa kennen, die Wortführerin. Welch eine Ausstrahlung!
In den Medien wird sie "die Löwin von Dschibuti" genannt, die Rebellin. Man kann sie nicht vergessen. Ich besuche diese Hungerstreikenden gern und es drängt mich, ihnen im ihrem Kampf beizustehen; sie sind wie zu einer Familie zusammengeschmolzen. Aischa fordert die Befreiung der politischen Gefangenen. Sie protestiert dagegen, daß Frankreich das antidemokratische Regime von Dschibuti bedingungslos unterstützt.

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PHILADELPHIA: VERTEIDIGUNG FÜR MUMIA ABU JAMAL

 

In einem Pariser Café wird eine Pressekonferenz abgehalten, um zu erkären, warum wir nach Philadelphia reisen und wieso wir für Mumia einstehen. Danielle Mitterrand ist unter uns, sie wird an der Reise teilnehmen. Mumia ist ein mutiger Journalist, der seit 17 Jahren seine Unschuld beteuert. Er wartet gegenwärtig in der Todeskammer auf seine Hinrichtung. Er war 1981 verhaftet worden und beschuldigt, einen Polizisten ermordet zu haben, nachdem er seinem von der Polizei angegriffenen Bruder zu Hilfe geeilt war. 1982 wurde er am Ende eines "Prozesses" zum Tode verurteilt. In Wirklichkeit wurde Mumia wegen seines politischen Engagements für die Black Panthers im Jahre 1970 verurteilt. Polizei und Justiz von Philadelphia wollten den Mann zum Schweigen bringen, der immer noch "die Stimme der Stimmlosen" genannt wird.
Am 24. April, seinem 45. Geburtstag, findet in Philadelphia eine große Demonstration statt, um einen neuen Prozeß und die Abschaffung der Todesstrafe zu fordern. Ich werde in der französischen Delegation dabeisein, die aus 60 Aktivisten der Menschenrechtsbewegung besteht.
 

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SCHWEIGEMARSCH DER SOLIDARITÄT

 

Bei einer Polizeiaktion in einem volkstümlichen Quartier von Paris ist ein junger Mann ums Leben gekommen. Er hieß Suleyman. Er war 21 Jahre alt. Seine Familie und verschiedene Gruppen des Quartiers sind aktiv geworden: Sie wollen, daß die Wahrheit über Suleymans Tod ans Licht kommt. Der Fall darf nicht einfach zu den Akten gelegt werden! Ich bin beeindruckt von diesem Schweigemarsch. Dieses Schweigen ist so beredt! Welch eine Würde geht von dieser Menschenmenge aus. Junge Leute verteilen das Manifest "Stopp der Gewalt", das in den Vorstädten von Paris nicht unbemerkt bleibt. Die Jungen haben genug vom Rassismus, von der Gewalt, von der Angst. Sie wollen diese Logik des Todes umstürzen. Wer wird dies tun können, wenn nicht sie die Initiative ergreifen? Das gibt einem Hoffnung.

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PS: Partenia in Zahlen, Jahr 1998

 

Gesamtzahl - Homepages während eines Jahres, publziert in sieben Sprachen: 66 430

Geamtzahl von Internetbesuchern bei Partenia: 114 000

Zunahme von Besuchern innerhalb eines Jahres: 22'000

Besucher pro Monat bei Partenia im Internet: 9 500

E-mail an Bischof Jacques Gaillot: 2' 500

E-mail an den Webmaster: 1460

Aktive Forumteilnehmer vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1998: 393

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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Der Journalist Jean-Claude Raspiengeas hat sich mit Jacques Gaillot zusammengesetzt, um diesem Menschen auf die Spur zu kommen. Die im Buch Je prends la liberté gesammelten Gespräche vermitteln eine packende Persönlichkeit: packend in ihrer selbstverständlichen Liebe, packend in ihrer klaren Sicht der Zusammenhänge, packend in den ungeduldigen Forderungen an die Kirche.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.

Es wird für die LeserInnen des Buches deutlich, daß Jacques Gaillots Engagement eine ganz persönliche Biographie besitzt. Da ist ein Mensch vorbereitet worden oder wie er selber es gern ausdrückt: da ist ein Mensch geschützt worden, damit er später anderen zum Schutz werden kann. Zugleich macht der biographische Hintergrund aber auch klar: Da hat ein Mensch einen inneren Auftrag erhalten, der sich weder durch die familiären Zusammenhänge noch durch die kirchliche Prägung erklären läßt. In Jacques Gaillot ist der Kirche eine prophetische Existenz geschenkt worden, mit der sie sich wie immer bei Propheten nur schwer zurechtfinden kann.

Als Prophet tritt Jacques Gaillot auf, wenn es um die Randfiguren der Kirche geht. Er möchte sie in die Mitte stellen. Denn am Umgang mit ihnen entscheidet sich die Echtheit der Kirche. Zu den Randfiguren gehören nach ihm: die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die verheirateten Priester, die Geschiedenen, die wieder geheiratet haben.

Die kirchliche Ordnung verweist sie an den Rand oder demütigt sie zu Empfängern des kirchlichen Mitleids. Jacques Gaillot stellt sie in die Mitte und engagiert sich für ihr Selbstbewußtsein. Als Prophet spricht Jacques Gaillot zudem, wenn er die vorschnellen Absicherungen der Kirche kritisiert, seien es die Absicherungen politischer Art mit den bestehenden Machtgefügen, seien es die Absicherungen kirchenpolitischer Art mit Konzepten, die der Kirche keine echte Erneuerung zumuten, sondern lediglich Rückzugsgefechte im Dienste veralteter Vorstellungen.

Sonnenaufgang in der Wüste Ich wähle die Freiheit erlaubt eine vielseitige Lektüre. Das Buch eignet sich für LeserInnen, die über Jacques Gaillot persönlich mehr erfahren möchten. Die Lebensstationen werden deutlich, aber auch der Mensch mit seinem Charakter. Auf sehr lebendige Art vermittelt das Buch dank seiner Gesprächsform den ungezwungenen Charme, den Witz, das spontane Ringen und die kritische Klarheit von Jacques Gaillots Denken und Sprechen.
LeserInnen, die an der gegenwärtigen Entwicklung und Nicht-Entwicklung der Kirche interessiert sind. Anhand vieler konkreter Beispiele und Situationen schildert Jacques Gaillot selber, was an der Kirche veraltet ist und wie allenfalls die Kirche der Zukunft ausschauen kann. Trotz der vielen beängstigenden Probleme in und rund um die Kirche wird in der Person Jacques Gaillot selber jene Kraft spürbar, die auch mit der Kirche eine Zukunft gestalten kann.
LeserInnen, die persönlich auf einer religiösen Suche sind. Das Engagement Jacques Gaillots in der Kirche, aber auch seine Freiheit, sich durch verhärtete Normen der Kirchenordnung und durch Strafmaßnahmen nicht imponieren zu lassen, werden im Laufe der Lektüre zu einem Maßstab für den eigenen Weg zwischen Eigenständigkeit und Anpassung, zwischen Besinnung und Einsatz.

Ich wähle die Freiheit Je prends la liberté ist ein wertvolles Buch, weil hinter ihm ein Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe steht, ein Mensch, der zudem weiß, daß hinter ihm ein Anderer steht, Jesus, mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe.
Je prends la liberté erscheint erstmals auf deutsch.
 
Sonnenaufgang in der Wüste
Sein Weg in Freiheit durch die Wüste wird zu reden geben. Denn was Jacques Gaillot bei den Bischöfen der französischen Kirche oft vermißt, ist die mangelnde demokratische Auseinandersetzung. Gilt dies nicht auch für den Großteil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bischöfe? Nicht umsonst hat Jacques Gaillot seine Wüstendiözese Partenia auch auf diese Länder ausgedehnt.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.
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Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois

Im neuesten Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.
Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.
Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.
Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.
Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.
Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen und ihre Sicht der Dinge und ihre politischen Vorstellungen in Frage stellen:
- die Flüchtlinge in der Kirche Saint-Bernard
- die Einpferchung von Menschen in unwürdige und billige Sozialbauten und die Zerstörung der Kommunikation, der Palaverbaum ist weg
- das Problem Atombombe und nukleare Bewaffnung
- die Ermordung der Mönche von Tibéhirine
- die freundschaftliche Verbindung zu einem Imam
- die Messe mit Obdachlosen in der Rue du Dragon
- wohin mit der Asche eines Clochards?
 
Der Bischof und aller Aufgabe ist es, nachzudenken über eine Kirche, die mehr denn je im Menschen tiefe Wurzeln schlagen muß, um den Stürmen standzuhalten.
Eine Kirche, die die Freuden und Ängste der Menschen kennt und sie mit ihnen teilt.
Quer durch alle Ereignisse hindurch bekennt Jacques Gaillot seinen lebendigen Glauben, öffnet eine Tür zur Hoffnung, spricht von Liebe, nicht von Belehrung.
Seine Aufgabe als Bischof sieht er vor allem darin, den Verzweifelten und Ausgeschlossenen seine Hand in Liebe und Brüderlichkeit entgegenzustrecken.
In diesem vielseitigen Werk vermittelt Jacques Gaillot den LeserInnen auf sehr lebendige Art wahre Zeugnisse von Begegnungen auf allen Ebenen. Der Bischof von Partenia ist immer mit seinem Volk unterwegs.
Offen und wahrhaftig ermutigt er all jene, die die Knospe in sich tragen, diese zur Blüte zu bringen.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag,
Edition K. Haller erhältlich.
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