Logbuch: Juli 1998


 

 

Begegnung im Zug Fünfhundertster Todestag von Savonarola

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PS: Partenia in Zahlen Buch: Sonnenaufgang ...

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Begegnung im Zug

 

Im mit großer Geschwindigkeit dahinbrausenden Zug kam eine Frau auf mich zu: "Wollen Sie mit mir einen Kaffee trinken gehn?" Wie könnte man eine so völlig unerwartete, aber angenehme Einladung abschlagen? In der Bar kam die Frau gleich zur Sache: "Ich habe den Glauben verloren. Ich praktiziere überhaupt nicht mehr. Mein Mann, meine Kinder, die Pfarreiangehörigen sind völlig überrascht. Ich habe mich immer aktiv für den Glauben eingesetzt. Und heute fällt alles in sich zusammen. Die Prinzipien sind für mich Mauern, in denen ich ersticke. Ich möchte mein Leben leben. In Harmonie mit mir selber leben. Ich beginne, mir Zeit zu nehmen für mich selber. Es ist ein Weg der Wahrheit, der nun beginnt, ein Weg, der begleitet wird von Umwälzungen, innerer Umwandlung und Dunkelheit. Eine Metamorphose, ähnlich wie die Verwandlung der Raupe in einen Schmetterling, wo das Stadium der Puppe unvermeidlich ist."

"Der Kokon aus Seide hat etwas Beruhigendes. Die Freiheit macht Angst. Auf uns wartet das Abenteuer des Unvorhergesehenen. Wie reich und spannend dieser Weg doch ist! Er verleiht einem Flügel. Sollen sie uns doch Etiketten anhängen und uns in Schablonen pressen. Nichts ist starr und für immer erreicht. Die Bewegung aber bewirkt, daß wir weiterkommen und neu werden."

Ich freue mich über diese Worte. Diese Frau, die den Weg der Wahrheit und der Freiheit eingeschlagen hat, ist glücklich zu schätzen. Jesus sagte: "Ihr müßt neu geboren werden." Neu geboren werden ist schwieriger als geboren werden. Ich ermutige diese Frau, die geahnt hat, daß wir gemeinsame Erfahrungen gemacht haben, auf ihrem Weg weiterzugehen. Aber da fuhr der Zug schon in den Bahnhof ein.


 

 

 

 

 

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Fünfhundertster Todestag von Savonarola

 

Das Schicksal Savonarolas ist eng mit Florenz verknüpft. Die Volksgemeinden, die mich eingeladen haben, treffen sich im Markus-Kloster, einem spirituellen Zentrum, in dem Savonarola lange Jahre Prior gewesen war. Der eifrige Prediger, der für die Armen einstand und von den Mächtigen abgelehnt wurde, ließ niemanden kalt. Die kleinen Leute von Florenz liebten ihn und strömten in Scharen herbei, um ihn zu hören. Er verlangte sowohl für die Gesellschaft als auch für die Kirche eine kühne Reform. Diese umstrittene Gestalt bleibt auch heute noch eine Symbolfigur.

In der wohltuenden Ruhe des Klosters lauschen die Versammelten den verschiedenen Reden über den Mann, der auf dem Scheiterhaufen enden sollte.

Ich habe Zeit, mir nochmals die Fresken von Fra Angelico anzusehen. Es ist immer wieder etwas Bewegendes, Bezauberndes!

Im St.Markus-Kloster befinden wir uns mitten in Forenz. Mitten in seiner Geschichte, seiner Kultur, seiner Spiritualität. Wir verlassen das Zentrum, um uns zum "Herz" zu begeben. Das "Herz" ist das Quartier der Piagge. Im Stadtzentrum sind der Tourismus, die Menge, der Handel, das Geld, die Sicherheit ... Im "Herz" sind die Randfiguren, die Rechtlosen, das kleine Volk, das Savonarola so teuer war.

Wir fahren zum Isolotto-Platz, wo sich seit 30 Jahren die Basisbewegungen zusammenfinden, welche sich für gesellschaftliche und kirchliche Reformen engagieren. Wir setzen unsere Pilgerschaft fort bis zum Platz der Signoria, wo Savonarola auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Der genaue Ort ist mit Blumen bedeckt. Die Leute bilden eine dichte Menschenmenge.

Letzte Etappe: die Brücke Ponte Vecchio. Savonarolas Asche wurde in den Arno gestreut. Man hat den unbewaffneten Propheten zum Verschwinden gebracht, aber den Nachhall seines Wortes hat man nicht verhindern können.

 

Zivile Patenschaft für die Papierlosen - Im Gérard-Philippe-Theater in Saint-Denis drängten sich die Menschen. Während zweier Tage hat dort in festlicher Atmosphäre die Aktion "Nonstop-Patenschaft" für mehr als 2500 Papierlose stattgefunden. Es war ein voller Erfolg. Ein Ereignis, über das die gesamte Presse berichtete. An vielen Orten in Frankreich wird das Anliegen jetzt von den Gemeindebehörden aufgenommen.

Leute von der Straße und wichtige Persönlichkeiten warten in diesem Theater, um sich in die Patenschaftslisten eintragen zu lassen, während die Papierlosen ungeduldig auf ihren Paten warten. Ich befinde mich auch in der Menge. Auch ich bin ungeduldig. Da ist er endlich. Er heißt Hamadou. Seine Frau und seine beiden Kinder sind in Mali geblieben. Es entsteht eine Freundschaft zwischen uns. Hamadou ist glücklich, er ist nicht mehr allein. Ich fühle mich mit ihm verbunden, ich verpflichte mich, seine Rechte zu verteidigen. Hamadou bekommt eine Identitätskarte mit dem Stempel des Bürgermeisters, das Symbol einer gegenseitigen Verpflichtung.



Jacques Gaillot 


 

 

 

 

 



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PS: Partenia in Zahlen, 1997

 

Im Monat, Anzahl Seiten vorgestellt im Internet: 175

Gesamtzahl - Homepages während eines Jahres, publziert in sieben Sprachen: 63'875

Geamtzahl von Internetbesuchern bei Partenia: 92'000

Zunahme von Besuchern innerhalb eines Jahres: 22'000

Besucher pro Monat bei Partenia im Internet: 7'660

E-mail an Bischof Jacques Gaillot: 2'300

E-mail an den Webmaster: 346


 







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Der Journalist Jean-Claude Raspiengeas hat sich mit Jacques Gaillot zusammengesetzt, um diesem Menschen auf die Spur zu kommen. Die im Buch Je prends la liberté gesammelten Gespräche vermitteln eine packende Persönlichkeit: packend in ihrer selbstverständlichen Liebe, packend in ihrer klaren Sicht der Zusammenhänge, packend in den ungeduldigen Forderungen an die Kirche.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.

Es wird für die LeserInnen des Buches deutlich, daß Jacques Gaillots Engagement eine ganz persönliche Biographie besitzt. Da ist ein Mensch vorbereitet worden oder wie er selber es gern ausdrückt: da ist ein Mensch geschützt worden, damit er später anderen zum Schutz werden kann. Zugleich macht der biographische Hintergrund aber auch klar: Da hat ein Mensch einen inneren Auftrag erhalten, der sich weder durch die familiären Zusammenhänge noch durch die kirchliche Prägung erklären läßt. In Jacques Gaillot ist der Kirche eine prophetische Existenz geschenkt worden, mit der sie sich wie immer bei Propheten nur schwer zurechtfinden kann.

Als Prophet tritt Jacques Gaillot auf, wenn es um die Randfiguren der Kirche geht. Er möchte sie in die Mitte stellen. Denn am Umgang mit ihnen entscheidet sich die Echtheit der Kirche. Zu den Randfiguren gehören nach ihm: die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die verheirateten Priester, die Geschiedenen, die wieder geheiratet haben.

Die kirchliche Ordnung verweist sie an den Rand oder demütigt sie zu Empfängern des kirchlichen Mitleids. Jacques Gaillot stellt sie in die Mitte und engagiert sich für ihr Selbstbewußtsein. Als Prophet spricht Jacques Gaillot zudem, wenn er die vorschnellen Absicherungen der Kirche kritisiert, seien es die Absicherungen politischer Art mit den bestehenden Machtgefügen, seien es die Absicherungen kirchenpolitischer Art mit Konzepten, die der Kirche keine echte Erneuerung zumuten, sondern lediglich Rückzugsgefechte im Dienste veralteter Vorstellungen.

Sonnenaufgang in der Wüste Ich wähle die Freiheit erlaubt eine vielseitige Lektüre. Das Buch eignet sich für LeserInnen, die über Jacques Gaillot persönlich mehr erfahren möchten. Die Lebensstationen werden deutlich, aber auch der Mensch mit seinem Charakter. Auf sehr lebendige Art vermittelt das Buch dank seiner Gesprächsform den ungezwungenen Charme, den Witz, das spontane Ringen und die kritische Klarheit von Jacques Gaillots Denken und Sprechen.
LeserInnen, die an der gegenwärtigen Entwicklung und Nicht-Entwicklung der Kirche interessiert sind. Anhand vieler konkreter Beispiele und Situationen schildert Jacques Gaillot selber, was an der Kirche veraltet ist und wie allenfalls die Kirche der Zukunft ausschauen kann. Trotz der vielen beängstigenden Probleme in und rund um die Kirche wird in der Person Jacques Gaillot selber jene Kraft spürbar, die auch mit der Kirche eine Zukunft gestalten kann.
LeserInnen, die persönlich auf einer religiösen Suche sind. Das Engagement Jacques Gaillots in der Kirche, aber auch seine Freiheit, sich durch verhärtete Normen der Kirchenordnung und durch Strafmaßnahmen nicht imponieren zu lassen, werden im Laufe der Lektüre zu einem Maßstab für den eigenen Weg zwischen Eigenständigkeit und Anpassung, zwischen Besinnung und Einsatz.

Ich wähle die Freiheit Je prends la liberté ist ein wertvolles Buch, weil hinter ihm ein Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe steht, ein Mensch, der zudem weiß, daß hinter ihm ein Anderer steht, Jesus, mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe.

Je prends la liberté erscheint erstmals auf deutsch.
Sonnenaufgang in der Wüste
Sein Weg in Freiheit durch die Wüste wird zu reden geben. Denn was Jacques Gaillot bei den Bischöfen der französischen Kirche oft vermißt, ist die mangelnde demokratische Auseinandersetzung. Gilt dies nicht auch für den Großteil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bischöfe? Nicht umsonst hat Jacques Gaillot seine Wüstendiözese Partenia auch auf diese Länder ausgedehnt.
 
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.


 

 





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois

Im neuesten Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.

Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.

Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.

Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.

Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.

Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen und ihre Sicht der Dinge und ihre politischen Vorstellungen in Frage stellen:
- die Flüchtlinge in der Kirche Saint-Bernard
- die Einpferchung von Menschen in unwürdige und billige Sozialbauten und die Zerstörung der Kommunikation, der Palaverbaum ist weg
- das Problem Atombombe und nukleare Bewaffnung
- die Ermordung der Mönche von Tibéhirine
- die freundschaftliche Verbindung zu einem Imam
- die Messe mit Obdachlosen in der Rue du Dragon
- wohin mit der Asche eines Clochards?

 

Der Bischof und aller Aufgabe ist es, nachzudenken über eine Kirche, die mehr denn je im Menschen tiefe Wurzeln schlagen muß, um den Stürmen standzuhalten.

Eine Kirche, die die Freuden und Ängste der Menschen kennt und sie mit ihnen teilt.

Quer durch alle Ereignisse hindurch bekennt Jacques Gaillot seinen lebendigen Glauben, öffnet eine Tür zur Hoffnung, spricht von Liebe, nicht von Belehrung.

Seine Aufgabe als Bischof sieht er vor allem darin, den Verzweifelten und Ausgeschlossenen seine Hand in Liebe und Brüderlichkeit entgegenzustrecken.

In diesem vielseitigen Werk vermittelt Jacques Gaillot den LeserInnen auf sehr lebendige Art wahre Zeugnisse von Begegnungen auf allen Ebenen. Der Bischof von Partenia ist immer mit seinem Volk unterwegs.

Offen und wahrhaftig ermutigt er all jene, die die Knospe in sich tragen, diese zur Blüte zu bringen.

Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag,
Edition K. Haller erhältlich.