Logbuch: Februar 1999

 

In der Beginen-Kirche

Das neue Gewand von Partenia

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Buch: Sonnenaufgang ...

Bibliographie

4 Kerzen in Straßburg

Pressekonferenz

 

PS: Partenia in Zahlen

Buch: Knospe, ...




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4 KERZEN FÜR STRASSBURG

Die Partenia-Gruppe von Straßburg bestand darauf, daß ich mit ihnen am 13. Januar den 4. Jahrestag meiner Absetzung in Evreux feiern sollte. Viele waren zu dieser Feier gekommen. Es herrschte eine warme Atmosphäre, die Zuhörer waren motiviert. Da waren Kurden ohne Aufenthaltspapiere und Arbeitslose. Aber auch Leute, die der Kirche fernstehen.

Der Verantwortliche der Gruppe, ein Jude, ergriff das Wort. Ein Moslem und ein Priester folgten und machten deutlich, worum es an diesem Abend ging: Es war nicht eine Zusammenkunft von alten Kämpfern, sondern wir waren hier, um miteinander über unser Engagement gegen die Ausgrenzung zu reden.
Nach vier Jahren bin ich beeindruckt von ihrem Widerstand gegen das Vergessen und von ihrem Kampf gegen die Ungerechtigkeit.
Oft sagen mir die Leute während solcher Treffen, sie fänden es schade, daß ich nicht mehr im Fernsehen auftrete und nicht mehr im Radio zu hören bin. Die Leute wollen, daß ich wieder in den Medien präsent sei- über meinen Platz in der Kirche machen sie sich keine Sorgen.
 
 

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IN DER BEGINEN-KIRCHE

Nach einer von der Bewegung "für ein neues Gesicht der Kirche und der Gesellschaft" organisierten Tagung freue ich mich, den Papierlosen einen Besuch abzustatten, die seit zwei Monaten die Beginen-Kirche in Brüssel besetzt halten. Es ist Nacht. Es regnet. Unter der Pforte glaube ich schwach die Gesichter der "Sans-papiers" (Menschen ohne Aufenthaltspapiere) zu erkennen, die mich erwarten. Wir begrüßen einander, als würden wir uns schon lange kennen. Es gibt zwischen uns so etwas wie eine brüderliche "Komplizenschaft".

Die Freude ist so groß, daß spontan ein Lied ertönt. Die afrikanischen Frauen lassen ein Lied erschallen, ihre Körper wiegen sich. Die Männer bleiben nicht zurück, einer schlägt den Takt. Ich denke an das Magnificat, das Loblied, das Maria bei ihrem Zusammentreffen mit ihrer Kusine Elisabeth anstimmt.
Im Chor der Kirche steht eine Gruppe von Christen um den großen Tisch herum, auf dem Jesu Mahl gehalten wird. Sie geben einander das Zeichen des Friedens. Der Priester verläßt den Tisch, um es auch mir zu bringen und mich zur Kommunion einzuladen. Ein lichterfüllter Augenblick des Glücks. Ich entferne mich vom eucharistischen Tisch, um wieder zu den Fremden zu gehen. Gott verlasse ich nicht. Indem ich mich zu den Kurden, Marokkanern, Kongolesen geselle, weiß ich, daß Gott unter ihnen ist.

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PRESSEKONFERENZ

Am Sitz der Menschenrechte in Paris halten Basken eine Pressekonferenz ab. Es geht um eine alte, seit Jahren abgewiesene Forderung: die Verlegung der baskischen politischen Gefangenen in Gefängnisse, die näher bei ihrem Heimatort gelegen sind.

Bayonne ist 800 km von Paris entfernt. 800 km, das ist die Distanz, welche Advokaten, Freunde, Familienangehörige zurücklegen müssen, um sie zu besuchen. überdies ist die lange Reise für die oft betagten Eltern der Gefangenen sehr beschwerlich. Und die Anwälte von Bayonne haben Mühe, für ihre Klienten eine annehmbare Verteidigung sicherzustellen. Dieser Tatbestand widerspricht verschiedenen französischen, europäischen und internationalen Vereinbarungen.
Presse und Fernsehen haben zahlreiche Vertreter geschickt. Ich ergreife das Wort, um einmal mehr die Antiterroristen-Gesetzgebung mit ihren inakzeptablen Praktiken anzuprangern. Im Zeitpunkt, da im Baskenland Aussicht auf den Frieden herrscht, wäre die Versetzung der politischen Gefangenen ein positives Signal zugunsten dieses Friedens.
 

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DAS NEUE GEWAND VON PARTENIA

An einem Wintermorgen bezieht Partenia 2000 die Räumlichkeiten in einem alten Gebäude, das vor zwei Jahren von verschiedenen Gruppierungen besetzt worden war. Es heißt "Maison des Ensembles" (gemeinsames Haus) und befindet sich in einem wegen seines Marktes bekannten Arbeiterviertel von Paris.

In einem Innenhof empfängt uns ein großes Spruchband mit einem Zitat von Victor Hugo:
    "Ihr wollt, daß den Elenden geholfen werde,
    ich will, daß das Elend ausgerottet wird."

Der Besucher weiß gleich, worum es geht, nachdem er dieses Motto gelesen hat. Im zweiten Stockwerk ist ein Raum für Partenia reserviert. Er ist nicht groß. Junge Sans-papiers, die sich dort aufgehalten haben, bieten ihre Hilfe an und tragen dann munter das Material herauf. Bald herrscht eine unglaubliche Unordnung. Mir ist bewußt, daß dies das Chaos ist, aus dem etwas entstehen wird. In dieser Aufbruchstimmung werden schnell neue Freundschaften geschlossen. Alle Gesichter strahlen vor Freude. Das Durcheinander wird noch größer, als die Aktivisten der verschiedenen Vereinigungen kommen, um den "Jüngsten" zu besichtigen und ihm guten Start zu wünschen. Aber ich glaube so etwas wie einen Vorwurf aus ihrem Willkommensgruß herauszuhören: "Wieso kommt ihr erst jetzt? Euer Platz ist hier unter uns." Zweifellos wird Partenia hier das finden, wofür es ins Leben gerufen wurde.

 


Jacques Gaillot

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PS: Partenia in Zahlen, Jahr 1998

 

Gesamtzahl - Homepages während eines Jahres, publziert in sieben Sprachen: 66 430

Geamtzahl von Internetbesuchern bei Partenia: 114 000

Zunahme von Besuchern innerhalb eines Jahres: 22'000

Besucher pro Monat bei Partenia im Internet: 9 500

E-mail an Bischof Jacques Gaillot: 2' 500

E-mail an den Webmaster: 1460

Aktive Forumteilnehmer vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1998: 393

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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Der Journalist Jean-Claude Raspiengeas hat sich mit Jacques Gaillot zusammengesetzt, um diesem Menschen auf die Spur zu kommen. Die im Buch Je prends la liberté gesammelten Gespräche vermitteln eine packende Persönlichkeit: packend in ihrer selbstverständlichen Liebe, packend in ihrer klaren Sicht der Zusammenhänge, packend in den ungeduldigen Forderungen an die Kirche.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.

Es wird für die LeserInnen des Buches deutlich, daß Jacques Gaillots Engagement eine ganz persönliche Biographie besitzt. Da ist ein Mensch vorbereitet worden oder wie er selber es gern ausdrückt: da ist ein Mensch geschützt worden, damit er später anderen zum Schutz werden kann. Zugleich macht der biographische Hintergrund aber auch klar: Da hat ein Mensch einen inneren Auftrag erhalten, der sich weder durch die familiären Zusammenhänge noch durch die kirchliche Prägung erklären läßt. In Jacques Gaillot ist der Kirche eine prophetische Existenz geschenkt worden, mit der sie sich wie immer bei Propheten nur schwer zurechtfinden kann.

Als Prophet tritt Jacques Gaillot auf, wenn es um die Randfiguren der Kirche geht. Er möchte sie in die Mitte stellen. Denn am Umgang mit ihnen entscheidet sich die Echtheit der Kirche. Zu den Randfiguren gehören nach ihm: die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die verheirateten Priester, die Geschiedenen, die wieder geheiratet haben.

Die kirchliche Ordnung verweist sie an den Rand oder demütigt sie zu Empfängern des kirchlichen Mitleids. Jacques Gaillot stellt sie in die Mitte und engagiert sich für ihr Selbstbewußtsein. Als Prophet spricht Jacques Gaillot zudem, wenn er die vorschnellen Absicherungen der Kirche kritisiert, seien es die Absicherungen politischer Art mit den bestehenden Machtgefügen, seien es die Absicherungen kirchenpolitischer Art mit Konzepten, die der Kirche keine echte Erneuerung zumuten, sondern lediglich Rückzugsgefechte im Dienste veralteter Vorstellungen.

Sonnenaufgang in der Wüste Ich wähle die Freiheit erlaubt eine vielseitige Lektüre. Das Buch eignet sich für LeserInnen, die über Jacques Gaillot persönlich mehr erfahren möchten. Die Lebensstationen werden deutlich, aber auch der Mensch mit seinem Charakter. Auf sehr lebendige Art vermittelt das Buch dank seiner Gesprächsform den ungezwungenen Charme, den Witz, das spontane Ringen und die kritische Klarheit von Jacques Gaillots Denken und Sprechen.
LeserInnen, die an der gegenwärtigen Entwicklung und Nicht-Entwicklung der Kirche interessiert sind. Anhand vieler konkreter Beispiele und Situationen schildert Jacques Gaillot selber, was an der Kirche veraltet ist und wie allenfalls die Kirche der Zukunft ausschauen kann. Trotz der vielen beängstigenden Probleme in und rund um die Kirche wird in der Person Jacques Gaillot selber jene Kraft spürbar, die auch mit der Kirche eine Zukunft gestalten kann.
LeserInnen, die persönlich auf einer religiösen Suche sind. Das Engagement Jacques Gaillots in der Kirche, aber auch seine Freiheit, sich durch verhärtete Normen der Kirchenordnung und durch Strafmaßnahmen nicht imponieren zu lassen, werden im Laufe der Lektüre zu einem Maßstab für den eigenen Weg zwischen Eigenständigkeit und Anpassung, zwischen Besinnung und Einsatz.

Ich wähle die Freiheit Je prends la liberté ist ein wertvolles Buch, weil hinter ihm ein Mensch mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe steht, ein Mensch, der zudem weiß, daß hinter ihm ein Anderer steht, Jesus, mit seiner ganzen Geschichte und seiner ganzen Liebe.
Je prends la liberté erscheint erstmals auf deutsch.
 
Sonnenaufgang in der Wüste
Sein Weg in Freiheit durch die Wüste wird zu reden geben. Denn was Jacques Gaillot bei den Bischöfen der französischen Kirche oft vermißt, ist die mangelnde demokratische Auseinandersetzung. Gilt dies nicht auch für den Großteil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bischöfe? Nicht umsonst hat Jacques Gaillot seine Wüstendiözese Partenia auch auf diese Länder ausgedehnt.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.
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Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois

Im neuesten Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.
Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.
Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.
Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.
Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.
Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
Ereignisse, die die ganze Gesellschaft betreffen und ihre Sicht der Dinge und ihre politischen Vorstellungen in Frage stellen:
- die Flüchtlinge in der Kirche Saint-Bernard
- die Einpferchung von Menschen in unwürdige und billige Sozialbauten und die Zerstörung der Kommunikation, der Palaverbaum ist weg
- das Problem Atombombe und nukleare Bewaffnung
- die Ermordung der Mönche von Tibéhirine
- die freundschaftliche Verbindung zu einem Imam
- die Messe mit Obdachlosen in der Rue du Dragon
- wohin mit der Asche eines Clochards?
 
Der Bischof und aller Aufgabe ist es, nachzudenken über eine Kirche, die mehr denn je im Menschen tiefe Wurzeln schlagen muß, um den Stürmen standzuhalten.
Eine Kirche, die die Freuden und Ängste der Menschen kennt und sie mit ihnen teilt.
Quer durch alle Ereignisse hindurch bekennt Jacques Gaillot seinen lebendigen Glauben, öffnet eine Tür zur Hoffnung, spricht von Liebe, nicht von Belehrung.
Seine Aufgabe als Bischof sieht er vor allem darin, den Verzweifelten und Ausgeschlossenen seine Hand in Liebe und Brüderlichkeit entgegenzustrecken.
In diesem vielseitigen Werk vermittelt Jacques Gaillot den LeserInnen auf sehr lebendige Art wahre Zeugnisse von Begegnungen auf allen Ebenen. Der Bischof von Partenia ist immer mit seinem Volk unterwegs.
Offen und wahrhaftig ermutigt er all jene, die die Knospe in sich tragen, diese zur Blüte zu bringen.
Das Buch ist ab Ende April 1997 in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag,
Edition K. Haller erhältlich.
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