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Rückkehr nach Evreux
Im Januar 95 hatte es überraschend ein stürmisches
Pfingstereignis gegeben. Im Jubiläumsjahr wurde Pfingsten
im Zeichen der Brüderlichkeit gefeiert, der Sturm war einer
leichten Brise gewichen.
Zwei Pfingstereignisse, die miteinander im Zusammenhang stehen,
eins ruft nach dem andern. Dazwischen: ein Reifungsprozess, die
Überwindung von Schwierigkeiten, eine Öffnung ... Als
ich die versammelte Menge sah, dankte ich für den zurückgelegten
Weg.
Ich konnte kaum mehr aufhören, die Leute zu begrüßen,
die mir so viel Freude bereitet hatten. Wie die losgelassenen
Friedenstauben - ein herrlicher Anblick - verliess ich Evreux,
glücklich darüber, dass das Evangelium weiterwirkt
und so viele Früchte trägt. |
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"Das Geheimnis Paulus"
Ich bin von Abraham Segal, dem Regisseur des Films "Le
mystère Paul", zusammen mit Didier Sandre, zu einer
Diskussion mit Rabbi Daniel Farhi von der Liberalen Jüdischen
Bewegung Frankreichs eingeladen worden. Ein packender Film. Welches
ist für Christen und Juden der Sinn der Bekehrung des Paulus?
Welches ist seine Rolle bei der Gründung und der Entwicklung
des Christentums?
Paulus ist der paradoxe Apostel. Er lässt niemanden kalt,
ob es sich nun um Pasolini, Freud oder Nietzsche handelt. Die
Juden haben ihn oft als Verräter und Feind betrachtet. Heute
sehen sie ihn mit andern Augen an.
Der Kinosaal ist brechend voll. Die Jungen sind stark vertreten.
In der Diskussion wird deutlich, inwiefern Paulus uns heute etwas
zu sagen hat. Der Apostel geht über das Gesetz hinaus, überwindet
kulturelle, soziale und religiöse Schranken und ermöglicht
so eine grenzenlose Brüderlichkeit, indem er die Würde
des Menschen betont, die für alle gleich ist: "Es
gibt weder Juden noch Griechen mehr, weder Mann noch Frau ..."
Für viele ist und bleibt er der Freiheitsapostel. |
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Solidarität mit Rémi
Ich nehme mit Rémi zusammen an einer Sendung auf Europe
1 teil. Er ist 23 Jahre alt. Er war im "Mac Do" von
Albi angestellt. Er machte den Fehler zu glauben, heutzutage
könne man in Frankreich mit Bedürftigen solidarisch
sein. Weil er zu Lasten seiner eigenen Mahlzeitenkarte
einer bettelnden Frau fünf Cheeseeburger überliess,
wurde Rémi entlassen, um "ein Exempel zu statuieren".
Der Grund: "schwerwiegende Missachtung des Arbeitsvertrages
und des internen Reglements bezüglich der Mahlzeitenregelung".
Rémi will seine missbräuchliche Kündigung
vor Arbeitsgericht anfechten. Ich unterstütze ihn dabei,
mit vielen andern zusammen. Wir fordern das Recht, einander helfen
zu können. Wir sind gegen die Solidaritätsverneinung.
Rémi ist kein Einzelfall. Sein Sieg wird der Sieg all
jener sein, die heute gegen die Unsicherheit am Arbeitsplatz
und für die Achtung der Persönlichkeit kämpfen. |
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Papierlose von Lille
An diesem Pfingstmontag besuche ich auf Einladung des Unterstützungskomitees
die Papierlosen, die sich seit 70 Tagen im Hungerstreik befinden.
Ich begebe mich in die fünf Krankenhäuser, in die sie
verstreut wurden: CHR von Lille, Seclin, Armantières,
Roubaix und Tourcoing.
22 von ihnen empfangen mich, trotz ihres Erschöpfungszustandes.
Während dieses Besuchs lässt man mich wissen, der Polizeipräfekt
wolle mich sehen. Er empfängt mich zu einem Gespräch
unter vier Augen. Die Situation bekümmert ihn, und er zeigt
sich menschlich. Wenn die Papierlosen den Hungerstreik abbrechen,.
will er ihre Akten prüfen. Er bittet mich, mich in diesem
Sinne bei ihnen einzusetzen. Aber werden diese 22 Papierlosen
nach 70 Tagen Hungerstreik einwilligen, nur auf dieses Versprechen
hin? So oft sind sie schon enttäuscht worden, weil man die
Versprechen nicht gehalten hat!
Die erste Antwort zeigt schon, wie ihr Gemütszustand
ist: "Sag dem Präfekten, ich wisse ganz genau, dass
meine Gesundheit futsch ist, aber wenn er wirklich menschlich
sein will, so muss er mir jetzt meine Papiere geben. Er stellt
uns eine Falle, er gibt uns keine Garantie für die Legalisierung,
nicht mal schriftlich."
Ich kann die Gesichter dieser Menschen nicht mehr vergessen.
Sie sind ohne Papiere, aber nicht ohne Hoffnung. Sie sind ohne
Kraft, aber nicht ohne Entschlossenheit. Die Verhandlungen gehen
Tag für Tag weiter. |