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Wo schweigen zur Schuld wird
Was sich im Gebiet der großen afrikanischen Seen abspielt, erregt
kein Aufsehen mehr. Ganz einfach deshalb, weil man nicht mehr darüber
spricht. Das ist die Gleichgültigkeit.
Im Klima der bestehenden
Unsicherheit können die humanitären Hilfsorganisationen nichts mehr
ausrichten, oder dann nur recht wenig.
Dennoch, es irrt seit Wochen ein
ganzes Volk im Osten Zaires umher, kämpft gegen Epidemien, Hunger und
Angst. Verletzlicher als andere, sterben jeden Tag Kinder.
Es sind
keine Kameras mehr da, die zeigen könnten, welch ein Drama Tausende von Flüchtlingen
durchleben müssen.
Kein Schrei dringt mehr bis zu unsern
gesicherten Ländern durch. Kein Aufruf an unsere Solidarität erfolgt
mehr.
Nur Schweigen.
Das Schweigen der internationalen
Gemeinschaft, die sich schuldig macht, einem Volk in Gefahr und Not nicht zu
Hilfe zu kommen. Das Schweigen der verantwortlichen Politiker, die die
Afrikaner sich selbst überlassen.
Gewiß, hier gibt es keinen
Markt zu gewinnen, aber Menschenleben, die, im Stich gelassen, in den Wäldern
Zaires geopfert werden.
In der Bibel, im Buch Genesis (4.9-4.10), da
sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß
es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders? Der Herr sprach: Was hast du
getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.
Wir alle
tragen füreinander Verantwortung. Für die Solidarität darf es
keine Grenzen geben. Auf diesem unserem Planeten bilden wir eine einzige
Menschheitsfamilie.
Ist dies nicht die vordringliche Aufgabe für
das kommende Jahrhundert?
 Jacques
Gaillot
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