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In Neapel
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Anlässlich des Erscheinens der
italienischen Ausgabe des Buches "Ein Katechismus, der
Freiheit atmet" hatte ich das Vergnügen, nach Neapel
reisen und dort gute Bekannte treffen zu können. |
Da es genau 40 Jahre her ist, dass das II. Vatikanische Konzil
zu Ende ging, wurde dieses Ereignisses mit einer besonderen Feier
und einem Vortrag gedacht. Eine Frucht des Konzils scheint mit
die Reife der Christen zu sein. Sie wollen den gelebten Alltag
mit dem verbinden, was sie in der Kirche leben.
Erwachsene und verantwortungsvolle Menschen, die die Freiheit
lieben und an demokratische Spielregeln gewöhnt sind, lassen
sich nicht mehr als zweitklassige Christen behandeln. Als Jünger
Jesu, die seine Botschaft weitertragen, wollen sie ein partnerschaftliches
Verhältnis, ohne Titel und ohne Vorrang. Eine verheißungsvolle
Neuentdeckung.
Man stellte mir eine Frage: "Den Franziskanern von Assisi
wurde ein Recht weggenommen, das ihnen Papst Paul VI zugestanden
hatte. Sie veranstalteten bisher Zusammenkünfte für
Frieden und Gerechtigkeit, die für viele ein Licht in der
Dunkelheit waren. Nun müssen sie "ins Glied zurücktreten".
Was denken Sie von diesem römischen Verbot?".
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Mich interessiert nicht das Verbot,
sondern die Franziskaner. Was wird aus ihnen? Werden sie an Menschlichkeit
gewinnen, werden sie im Glauben an Christus wachsen? Werden sie
evangelischer sein, Friedensstifter - so wie der heilige Franziskus?
Das römische Verbot könnte auch etwas in Bewegung setzen. |

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Manche Zuhörer fühlten sich angesprochen
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Vor dem Strafgericht
In der nördlichen Banlieue von Paris musste Assane
vor dem Strafgericht erscheinen, es wurde ihm "Beleidigung
eines Polizeibeamten" vorgeworfen. Er ist Franzose, er hat
eine Familie und auch Arbeit. Seit Jahren setzt er sich für
die Sans-papiers ein.
Eine Afrikanerin, deren Partner, ein Sans-papiers, in Polizeigewahrsam
ist, hatte Assane gebeten, sie aufs Revier zu begleiten, wo sie
sich nach ihrem Freund erkundigen wollte. Sie erhielten überhaupt
keine Auskunft. Assane wurde in Handschellen gelegt und geschlagen.
Zwei Tage blieb er in Polizeigewahrsam, nachher wurden auf der
Notfallstation seine Verletzungen festgestellt.
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Ich und alle anderen schätzen Assane sehr, er ist ein
gewaltloser Aktivist. Ich liess dem Richter ein Leumundszeugnis
zukommen.
Um 13 Uhr sollte die Verhandlung stattfinden. Viele waren da,
um ihn zu unterstützen. |
Auf dem Schreibtisch des Richters waren 21 Dossiers. Ein
junger Mensch nach dem andern erschien vor ihm. Während
vier Stunden musste ich mir das Schauspiel einer Gesellschaft
ansehen, der es nicht gut geht, in der zwei Welten nebeneinander
her leben, ohne einander zu verstehen.
Die Gerichtspräsidentin befragte den jungen Mann, der vor
ihr stand: "Warum arbeiten Sie nicht?". Er antwortete,
er hätte seine Freundin verloren, ihm stünde der Sinn
nicht nach Arbeiten. Die Gerichtspräsidentin geriet aus
dem Konzept.
Um 17 Uhr war Assan ean der Reihe. Er sagte nichts. Sein Wort
hätte neben den Aussagen der Polizisten kein Gewicht gehabt.
Der Staatsanwalt forderte eine bedingte Gefängnisstrafe
von vier Monaten. Die Anwältin fand die richtigen Worte,
um ihren Klienten zu verteidigen. Sie machte auf die Abwesenheit
seiner Ankläger aufmerksam und auch auf die Tatsache, dass
eine Gefängnisstrafe verheerende Auswirkungen auf seine
Zukunft hätte. Das Urteil wurde zur Beratung gestellt. |
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In Wien
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In der österreichischen Hauptstadt ist es kalt und es
schneit. Hunderte von iranischen Regimegegnern stehen vor einem
großen Gebäude, wo eine internationale Delegation
über das Problem der nuklearen Aufrüstung im Iran berät. |
Es steht außer Zweifel, dass die Mullahs und der
neue Präsident die Atombombe wollen, um das Überleben
des Regimes zu sichern und um die Macht der islamischen Republik
in der Region zu stärken.
Die gefährlichste Waffe der Welt wäre dann in der Hand
des gefährlichsten Regimes der Welt! Die Europäische
Union zeigt sich kulant, statt unnachgiebig zu sein, und verliert
Zeit, während sie versucht, mit einem terroristischen Regime
zu verhandeln. An den Sicherheitsrat ist man noch nicht gelangt.
Das iranische Volk hat nichts zu sagen. Die Atomkraft ist nicht
das vordringlichste Problem für die Menschen im Land, ihnen
geht es vor allem ums tägliche Brot und um die Freiheit.
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Als Vertreter des iranischen Widerstands in Frankreich stoße
ich zu den Delegierten anderer Länder. Im Schneetreiben
und bei eisiger Kälte ergreifen wir abwechslungsweise das
Wort, bevor wir von einem Offiziellen empfangen werden. |

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