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Im Krankenhaus
- Nach 50-tägigem Hungerstreik
hat man den 12 Sans-papiers zugestanden, was sie ersehnt hatten.
Alle, ohne Ausnahme, bekommen gültige Aufenthaltspapiere.
Es hat viel gebraucht, bis es so weit war! Nach dieser Prüfung,
diesem langen Kampf können sich die Familien und die, die
sich für sie eingesetzt haben, nun freuen.
Die Hungerstreikenden selbst werden in ein Krankenhaus in der
Nähe von Paris eingeliefert, in Garches.
Ich nehme den Zug, um sie zu besuchen. Bei der Ankunft in Garches
muss ich gar nicht auf den Bus warten, jemand will mich im Auto
dorthin bringen, er leistet mir diesen Dienst sehr gern, wie
er sagt.
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Im großen Krankenhaus, das ich zum ersten Mal betrete,
wissen alle, wo sich die Leute befinden, die ich sehen will.
Ich kann gar nicht fehlgehen.
Es gibt einen herzlichen Empfang. Die Sans-papiers sind positiv
überrascht über die Art, wie man sie hier aufgenommen
hat:
"Alle sind froh, dass wir Papiere bekommen."
"Wir werden den ganzen Tag umsorgt."
"Normalerweise werden wir als Verdächtige betrachtet.
Hier respektiert man uns."
"Der Arzt hat mir gesagt: Ihr könnt gehen, wann ihr
wollt. Erholt euch zuerst."
Im Krankenhaus wurde ihnen die Angst genommen und dadurch haben
sie Brüder und Schwestern gefunden.
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Pfingstfest der Völker
Ich bin nach Italien gereist, in die Nähe von Mailand,
wo die Kongregation der Saverianer zu Hause ist, eine sehr lebendige
Missionsgesellschaft. Ich bin zu ihrem Pfingstfest eingeladen
worden, zu dem Leute aus verschiedenen Kontinenten zusammengekommen
sind. Als Motto haben sie gewählt: "Tausend Gesichter,
verschiedene Kulturen, eine Menschheit. Für eine Kultur
der Begegnung, des gegenseitigen Gebens und Nehmens und der Feier".
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Ich weiß nicht, was die vielen Jungen angezogen hat.
Sicher das attraktive Konzert am Samstag Abend. Sie sitzen auch
gern zusammen, um sich zu unterhalten, Grillwürste zu essen
und Bier zu trinken.
An mehreren Ständen werden Produkte aus den afrikanischen
Ländern und Lateinamerika angeboten. Aber der große
Moment der Feier bleibt zweifellos die Eucharistiefeier. |
Die Saverianer haben Wert darauf gelegt, dass ich mit Mitra
und Bischofsstab auftrete, was ich sehr selten tue! Die Menge
mit den tausend Gesichtern ist hier versammelt, auf der Wiese
oder im Schatten der Bäume. Sie ist aufmerksam, ihrer Vielfalt
bewusst. Sie weiß, dass die Sprache von Pfingsten, die
heute von allen verstanden wird, die Sprache der Taten ist: "Ich
war fremd und ihr habt mich aufgenommen. Ich war krank und ihr
habt mich besucht..."
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Die Menschen sind empfänglich für den Geist von
Pfingsten, zu ihnen zu sprechen ist eine Freude. |

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In Graz
Zum dritten Mal bin ich hier in Österreich, um einen
Vortrag zu halten. Der neue Bischof bereitet mir einen brüderlichen
Empfang im Bischofshaus. Er freut sich sehr über die Wahl
des neuen Papstes und bereitet sich auf die Reise nach Rom zur
feierlichen Einsetzung vor.
Sein Sekretär sitzt auch unter den Zuhörern.
Ich warte immer mit Interesse auf die Fragen der Zuhörer.
So kann ich feststellen, welche Erwartungen die Leute haben.
Die Aktualität bestimmt an diesem Abend die Diskussion,
es wird über den neuen Papst gesprochen.
Die Sehnsucht nach Öffnung, die Hoffnung auf einen Wechsel
ist sehr stark zu spüren bei den Zuhörern, und die
Enttäuschung ist groß. Der Zukunft sehen diese Christen
mit Besorgnis entgegen, und sie bringen dies auch auf eine sensible
Art zum Ausdruck.
Ich musste natürlich an die Begeisterung ihres Bischofs
denken. Welch ein Gegensatz besteht doch oft zwischen der offiziellen
Kirche und den Gläubigen an der Basis!
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Am nächsten Morgen beim Frühstück meinte der
Bischof zufrieden: "Mein Sekretär ist gestern Abend
zu mir gekommen und hat mir gesagt, es sei eine sehr gute Veranstaltung
gewesen." |
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Willkommen in Frankreich!
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"Bienvenue en France"
- so lautet der Titel eines Buches, das soeben herausgekommen
ist. Geschrieben wurde es von Anne de Loisy, einer Journalistin,
mit der ich vor zwei Jahren in den Irak gereist war. |

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Sie scheut sich nicht, Risiken auf
sich zu nehmen und sich dorthin zu wagen, wo Frauen und Männer
in Gefahr sind. So hat sie es geschafft, in die berühmt-berüchtigte
Wartezone im Flughafen Charles de Gaulle in Paris einzudringen.
Die einzige Möglichkeit, in diesen geschlossenen Sektor
einzudringen, ist, dort zu arbeiten.
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Sechs Monate lang hat Anne de Loisy
beim Roten Kreuz gearbeitet, als Mittelsperson zwischen den Ausländern
und der Polizei, ohne je ihren wahren Beruf zu verraten.
Sie hat das große Verdienst, den Fremden ohne Aufenthaltsrecht
das Wort gegeben zu haben. |
Anne spürte oft deren Wut, Auflehnung,
Ohnmacht. Sie hätte sich so etwas nicht vorstellen können.
Und das geschieht 30 km von Paris! |
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