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Im Gewerkschaftshaus
- Romain war nach Benin gereist, um in Cotonou seine Familie
zu besuchen. Dort ereilte ihn bei einem furchtbaren Autounfall
der Tod; mit ihm starben zwei seiner Brüder. Für mich
und alle, die ihn kannten und seinen Kampf unterstützten,
war es ein Schock.
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Im August war ich ihm bei einer Versammlung der Sans-papiers
auf dem Place de la République zum letzten Mal begegnet.
Die Leute wollten sich gerade in Richtung Eglise Saint-Bernard
in Bewegung setzen. Ich war irgendwo in der Menge, als es Romain
gelang, mich zu finden. Er packte mich am Arm: "Ihr Platz
ist zuvorderst, bei den Prominenten." Es war nicht leicht,
sich diesem großen, starken Mann zu widersetzen. Er führte
mich an die Spitze des Zuges und sagte: "So ist gut." |
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- Im großen Saal des Gewerkschaftshauses drängten
sich die Menschen, Sans-papiers, Aktivisten, Gewerkschafter,
politisch engagierte Personen. Es herrschte Schweigen, die Atmosphäre
war von großem Ernst geprägt. Ich ahnte, wie wichtig
Romain in ihrem Leben gewesen war. Sein Tod stellte sein Leben,
sein Engagement ins rechte Licht, verlieh all seinem Kampf einen
Sinn. Er setzte alles und alle in Bewegung.
Der Organisator betonte, Romain sei Christ gewesen, und fragte
mich, ob ich bereit wäre, in der Kirche Saint-Bernard einen
Gottesdienst zu halten. Sie würden dann viele Leute dazu
einladen.
Er schlug vor, eine Delegation sollte nach Benin reisen, Romains
Angehörige besuchen und ihnen eine Kollekte übergeben,
die wir als Zeichen unserer Solidarität aufnehmen sollten.
Um auf dem Grab unseres Freundes zu beten und vom Kampf zu reden,
den er in Frankreich geführt hat. Und er bat mich, mitzugehen.
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Lissabon
- Wie ist diese Stadt doch schön, bei Tag und auch
bei Nacht! Ich war bezaubert, als ich diese Stadt wiedersah und
dort zwei Tage verleben durfte.
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- Die Übersetzerinnen und Übersetzer, die jeden
Monat die Texte für die Partenia-Homepage übersetzen,
wünschten sich schon seit langem eine Begegnung, um sich
kennen zu lernen. Und für diese Zusammenkunft wurde Lissabon
ausgewählt. Unsere Freunde von Quebec haben nicht gezögert
und sind ebenfalls nach Lissabon gekommen. In Lissabon sind einige
Partenia-Freundinnen zu Hause, die uns einen warmen Empfang bereitet
haben und deren Gegenwart ein echtes Geschenk für uns war.
- Seit bald neun Jahren existiert diese Homepage in sieben
Sprachen, die regelmäßig erneuert wird. Diese von
Freiwilligen erbrachte Leistung verdient es, einmal gewürdigt
zu werden. In dieser Arbeit steckt viel Herzblut. Von Zürich
aus koordiniert Katharina Haller unermüdlich die Aktivitäten
des Übersetzernetzes, das mehrere Länder umspannt.
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Wir haben die Zeit, die wir zusammen verbringen durften, für
Gespräche genutzt, Freundschaften wurden geknüpft. |
Es ist wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit eine Standortbestimmung
machen und in die Zukunft schauen. Aber die Erfahrung der Freundschaft
war noch wichtiger.
Nach Lissabon wissen wir, dass wir aufeinander zählen können.
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Weinernte
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Ich weilte bei einer Weinbauernfamilie im Burgund. Die Weinlese
war in vollem Gange. Zur allgemeinen Freude würde sie wahrscheinlich
reichlich und gut ausfallen. Ich spürte, wie dieser sonnige,
milde September die Menschen glücklich machte. |
Lange betrachtete ich die von der Abendsonne beschienenen
Reben und die wunderschöne Landschaft ringsherum.
Ich näherte mich den jungen Leuten, die im Weinberg beschäftigt
waren. Sie schnitten die Trauben von den Rebstöcken; einige
waren so müde, dass sie diese Arbeit sitzend verrichteten.
Ich sah, dass sie auf den Schwächsten Rücksicht nahmen.
Andere kamen, füllten ihre Tragkörbe, trugen sie zum
Traktor und leerten sie dort.
Es herrschte eine aufgeräumte Stimmung. Ich munterte sie
auf, indem ich sagte, es sei bald Feierabend.
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Erschöpft und hungrig versammelten sie sich später
zum Abendessen. Es war ein langer und strenger Tag gewesen für
sie. |
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Aber nach dem Essen fragte einer von ihnen: "Was machen
wir heute Abend? Gehen wir aus? In die Stadt?". Und plötzlich
waren sie alle wieder voller Energie und zogen los, um dann spät
in der Nacht wieder zurückzukehren.
Beim Aufstehen am nächsten Tag um sieben Uhr war die Stimmung
dann allerdings wieder gedämpfter. |
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Sonntagsmesse
Die große, moderne Kirche von Ravensburg in Bayern
war gedrängt voll. Ich freute mich, an der Seite des Pfarrers,
eines Freundes von mir, der Eucharistiefeier vorzustehen mit
all den Leuten, denen man ansah, dass sie gern in die Kirche
gekommen waren.
Ganz vorne standen der Chor und einige Musiker. Aber es
war das Volk, das sang. Ich werde nie müde, eine singende
Menge zu betrachten. Es kommt so selten vor! Die Deutschen singen
gern, es ist ihnen zur zweiten Natur geworden. Man sah ihnen
ihre Freude an. Ich ließ mich von ihren Gesängen tragen.
Das Chor war voll von Ministranten, Buben und Mädchen.
Als ich anfing, auf Deutsch ein Gebet zu sprechen, merkte ich,
wie sie aufmerksam zuhörten und wie ihnen meine Aussprache
manchmal ein belustigtes Lächeln entlockte.
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Vor dem Vaterunser-Gebet forderte der Pfarrer alle Kinder
auf, sich um den Altar herum aufzustellen. Sogleich kamen sie
aus ihren Bänken hervor, wie Vögel aus ihren Nestern. Ich
bemerkte, wie zwei sehr kleine Kinder als Letzte zum Altar trippelten,
einander bei der Hand haltend. |
Jede Bitte des Vaterunsers wurde von einer Geste begleitet. Die
Kinder machten es auf äußerst natürliche, ungekünstelte
Art. Ich versuchte, sie so gut wie möglich nachzuahmen.
An diese Sonntagsmesse werde ich mich noch lange erinnern.
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