Brief von Jacques Gaillot vom 1. November 1999

Polemik in Deutschland

Neues Buch: Virtuelle Kirche

 

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Polemik in Deutschland

In Deutschland, wohin ich auf eine Einladung hin gereist war, erlebte ich die Betroffenheit von mehreren Katholiken nach der römischen Intervention in bezug auf die Beratungszentren.

Die katholische Kirche ist für etwa 270 solcher Stellen verantwortlich. Diese bieten vor jedem straffreien Schwangerschaftsabbruch Gesprächsmöglichkeiten an. Die Kirche empfängt und begleitet hier Frauen, die sich in Schwierigkeiten, ja sogar in Not befinden. Es ist ein Dienst, der vom Staat anerkannt und geschätzt wird, wie übrigens auch derjenige der reformierten Kirche.

Die katholische Kirche schätzt, daß eine von vier Frauen ihren Abtreibungsentscheid rückgängig macht und daß so ungefähr 5000 Menschenleben im Jahr gerettet werden. Aber wenn Frauen nach eingehendem Gespräch bei ihrem Entschluß bleiben, wird ihnen von diesen Zentren ein Zeugnis ausgehändigt, das sie für den Schwangerschaftsabbruch benötigen. Hier schreitet nun der Vatikan ein, um die Bischöfe zur Ordnung zu rufen: Es dürfen keine derartigen Bescheinigungen ausgestellt werden.

Einige Bischöfe, so z.B. in Köln und Fulda, haben sich entschieden, Rom zu gehorchen und ihre Beratungszentren zu schließen. Verschiedene Katholiken haben sich nun entschlossen, aus ihrer Kirche auszutreten, indem sie keine Steuern mehr bezahlen. Aber zahlreiche Bischöfe geben nicht nach (ihr Präsident gehört auch zu ihnen) und wollen vom Papst persönlich angehört werden.

Wieso kann man der katholischen Kirche von Deutschland nicht vertrauen? Sie ist sicher in der Lage, die Probleme der Bevölkerung richtig einzuschätzen.

Falls die katholische Kirche diese Zentren schließt, schließt sie sich selber aus. Sie würde sich heraushalten und sich ­ im Bestreben, ihre Prinzipien zu wahren und ihre Hände nicht zu beflecken ­ in den Augen der Bevölkerung selbst diskreditieren.

Die Kirche, die für das Leben eintreten will, kann dies nur, wenn sie sich in Demut um die Lebensbedingungen ihres Volkes kümmert. Ihre Rolle ist es, Frauen in Not zu Hilfe zu kommen. Sie erfüllt ihren Auftrag, wenn sie sich uneigennützig in den Dienst der Frauen stellt, um Leben zu retten.

Die Polemik ist in vollem Gange. Die Zeitung "Le Monde" schließt ihren Leitartikel vom 4. Oktober 1999 über dieses Thema mit den Worten: " ein heilloses Durcheinander".

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Bischof Jacques Gaillot
VIRTUELLE KIRCHE
KIRCHE DES JAHRES 2000
Ein Bischof
im Reich des Internet
 

Die brutale Absetzung von Jacques Gaillot als Bischof von Evreux im Januar 1995 hatte die etwas surreale Ernennung zum Oberhirten von Partenia zur Folge, einem Bistum in Algerien, das seit Jahrhunderten nicht mehr existiert. So wurde er auch eine Art virtueller Bischof, dessen potentielle Diözesen über den ganzen Planeten zerstreut sind... Ein Jahr später beschloß er, die Institution beim Wort zu nehmen, und schuf eine Webseite, um mit Gesprächspartnern auf der ganzen Welt kommunizieren zu können. Der Erfolg trat augenblicklich ein: Tausende von Internetbenützern von ganz Frankreich, von Kanada, Australien und Dutzenden von andern Ländern, Laien und Kirchenleute, Christen und Nichtchristen, Sympathisanten und Gegner diskutierten bald über die verschiedensten Themen.

Dieses Buch berichtet über den außergewöhnlichen Treffpunkt der Partenia-Homepage, Abbild einer Kirche von morgen, für welche die aus dem Mittelalter stammende geographische Zerstückelung der Diözesen keinen großen Sinn mehr machen wird. Jacques Gaillot übermittelt uns - von Philippe Huet und Elizabeth Coquart gesammelte - Botschaften, die den Ausschluß den Rassismus, die Todesstrafe und viele andere heikle Themen als Ausgangspunkt haben. Der Traum einer Kirche, die mit der sich verändernden Welt Schritt zu halten versucht, die Erinnerung an die Revolten und Hoffnungen einer ganzen Generation: Diese Sammlung von Zeugnissen, die dem Bischof anvertraut worden sind, begründet eine vollkommen neue Art der Seelsorge.

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