Logbuch: Januar 2006

  In Neapel Vor dem Strafgericht
  In Wien
 

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In Neapel

 
à Naples Anlässlich des Erscheinens der italienischen Ausgabe des Buches "Ein Katechismus, der Freiheit atmet" hatte ich das Vergnügen, nach Neapel reisen und dort gute Bekannte treffen zu können.

Da es genau 40 Jahre her ist, dass das II. Vatikanische Konzil zu Ende ging, wurde dieses Ereignisses mit einer besonderen Feier und einem Vortrag gedacht. Eine Frucht des Konzils scheint mit die Reife der Christen zu sein. Sie wollen den gelebten Alltag mit dem verbinden, was sie in der Kirche leben.
Erwachsene und verantwortungsvolle Menschen, die die Freiheit lieben und an demokratische Spielregeln gewöhnt sind, lassen sich nicht mehr als zweitklassige Christen behandeln. Als Jünger Jesu, die seine Botschaft weitertragen, wollen sie ein partnerschaftliches Verhältnis, ohne Titel und ohne Vorrang. Eine verheißungsvolle Neuentdeckung.
Man stellte mir eine Frage: "Den Franziskanern von Assisi wurde ein Recht weggenommen, das ihnen Papst Paul VI zugestanden hatte. Sie veranstalteten bisher Zusammenkünfte für Frieden und Gerechtigkeit, die für viele ein Licht in der Dunkelheit waren. Nun müssen sie "ins Glied zurücktreten". Was denken Sie von diesem römischen Verbot?".

Mich interessiert nicht das Verbot, sondern die Franziskaner. Was wird aus ihnen? Werden sie an Menschlichkeit gewinnen, werden sie im Glauben an Christus wachsen? Werden sie evangelischer sein, Friedensstifter - so wie der heilige Franziskus? Das römische Verbot könnte auch etwas in Bewegung setzen.

foi au Christ


Manche Zuhörer fühlten sich angesprochen
     
   

Vor dem Strafgericht

In der nördlichen Banlieue von Paris musste Assane vor dem Strafgericht erscheinen, es wurde ihm "Beleidigung eines Polizeibeamten" vorgeworfen. Er ist Franzose, er hat eine Familie und auch Arbeit. Seit Jahren setzt er sich für die Sans-papiers ein.
Eine Afrikanerin, deren Partner, ein Sans-papiers, in Polizeigewahrsam ist, hatte Assane gebeten, sie aufs Revier zu begleiten, wo sie sich nach ihrem Freund erkundigen wollte. Sie erhielten überhaupt keine Auskunft. Assane wurde in Handschellen gelegt und geschlagen. Zwei Tage blieb er in Polizeigewahrsam, nachher wurden auf der Notfallstation seine Verletzungen festgestellt.

soutien Ich und alle anderen schätzen Assane sehr, er ist ein gewaltloser Aktivist. Ich liess dem Richter ein Leumundszeugnis zukommen.
Um 13 Uhr sollte die Verhandlung stattfinden. Viele waren da, um ihn zu unterstützen.

Auf dem Schreibtisch des Richters waren 21 Dossiers. Ein junger Mensch nach dem andern erschien vor ihm. Während vier Stunden musste ich mir das Schauspiel einer Gesellschaft ansehen, der es nicht gut geht, in der zwei Welten nebeneinander her leben, ohne einander zu verstehen.
Die Gerichtspräsidentin befragte den jungen Mann, der vor ihr stand: "Warum arbeiten Sie nicht?". Er antwortete, er hätte seine Freundin verloren, ihm stünde der Sinn nicht nach Arbeiten. Die Gerichtspräsidentin geriet aus dem Konzept.
Um 17 Uhr war Assan ean der Reihe. Er sagte nichts. Sein Wort hätte neben den Aussagen der Polizisten kein Gewicht gehabt. Der Staatsanwalt forderte eine bedingte Gefängnisstrafe von vier Monaten. Die Anwältin fand die richtigen Worte, um ihren Klienten zu verteidigen. Sie machte auf die Abwesenheit seiner Ankläger aufmerksam und auch auf die Tatsache, dass eine Gefängnisstrafe verheerende Auswirkungen auf seine Zukunft hätte. Das Urteil wurde zur Beratung gestellt.

   

 

     
   

In Wien

résistance iranienne In der österreichischen Hauptstadt ist es kalt und es schneit. Hunderte von iranischen Regimegegnern stehen vor einem großen Gebäude, wo eine internationale Delegation über das Problem der nuklearen Aufrüstung im Iran berät.

Es steht außer Zweifel, dass die Mullahs und der neue Präsident die Atombombe wollen, um das Überleben des Regimes zu sichern und um die Macht der islamischen Republik in der Region zu stärken.
Die gefährlichste Waffe der Welt wäre dann in der Hand des gefährlichsten Regimes der Welt! Die Europäische Union zeigt sich kulant, statt unnachgiebig zu sein, und verliert Zeit, während sie versucht, mit einem terroristischen Regime zu verhandeln. An den Sicherheitsrat ist man noch nicht gelangt.
Das iranische Volk hat nichts zu sagen. Die Atomkraft ist nicht das vordringlichste Problem für die Menschen im Land, ihnen geht es vor allem ums tägliche Brot und um die Freiheit.

Als Vertreter des iranischen Widerstands in Frankreich stoße ich zu den Delegierten anderer Länder. Im Schneetreiben und bei eisiger Kälte ergreifen wir abwechslungsweise das Wort, bevor wir von einem Offiziellen empfangen werden.

JGaillot et MRadjavi