Logbuch: November 2004 

  Im Gewerkschaftshaus Lissabon
  Weinernte Sonntagsmesse
 
Ein Katechismus, der Freiheit atmet von Jacques Gaillot
Ein Buch, dass dem kritischen Denken in der katholischen Kirche Raum gibt ...und für die Freiheit plädiert. (Der Link führt Sie zu den Infos - ab 1. September im Buchhandel)
 

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Im Gewerkschaftshaus

Romain war nach Benin gereist, um in Cotonou seine Familie zu besuchen. Dort ereilte ihn bei einem furchtbaren Autounfall der Tod; mit ihm starben zwei seiner Brüder. Für mich und alle, die ihn kannten und seinen Kampf unterstützten, war es ein Schock.

votre place Im August war ich ihm bei einer Versammlung der Sans-papiers auf dem Place de la République zum letzten Mal begegnet. Die Leute wollten sich gerade in Richtung Eglise Saint-Bernard in Bewegung setzen. Ich war irgendwo in der Menge, als es Romain gelang, mich zu finden. Er packte mich am Arm: "Ihr Platz ist zuvorderst, bei den Prominenten." Es war nicht leicht, sich diesem großen, starken Mann zu widersetzen. Er führte mich an die Spitze des Zuges und sagte: "So ist gut." 
 
Im großen Saal des Gewerkschaftshauses drängten sich die Menschen, Sans-papiers, Aktivisten, Gewerkschafter, politisch engagierte Personen. Es herrschte Schweigen, die Atmosphäre war von großem Ernst geprägt. Ich ahnte, wie wichtig Romain in ihrem Leben gewesen war. Sein Tod stellte sein Leben, sein Engagement ins rechte Licht, verlieh all seinem Kampf einen Sinn. Er setzte alles und alle in Bewegung.
Der Organisator betonte, Romain sei Christ gewesen, und fragte mich, ob ich bereit wäre, in der Kirche Saint-Bernard einen Gottesdienst zu halten. Sie würden dann viele Leute dazu einladen.

Er schlug vor, eine Delegation sollte nach Benin reisen, Romains Angehörige besuchen und ihnen eine Kollekte übergeben, die wir als Zeichen unserer Solidarität aufnehmen sollten. Um auf dem Grab unseres Freundes zu beten und vom Kampf zu reden, den er in Frankreich geführt hat. Und er bat mich, mitzugehen.
     

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Lissabon

Wie ist diese Stadt doch schön, bei Tag und auch bei Nacht! Ich war bezaubert, als ich diese Stadt wiedersah und dort zwei Tage verleben durfte.
 

écique de Partenia sur Internet 
 
Die Übersetzerinnen und Übersetzer, die jeden Monat die Texte für die Partenia-Homepage übersetzen, wünschten sich schon seit langem eine Begegnung, um sich kennen zu lernen. Und für diese Zusammenkunft wurde Lissabon ausgewählt. Unsere Freunde von Quebec haben nicht gezögert und sind ebenfalls nach Lissabon gekommen. In Lissabon sind einige Partenia-Freundinnen zu Hause, die uns einen warmen Empfang bereitet haben und deren Gegenwart ein echtes Geschenk für uns war.
Seit bald neun Jahren existiert diese Homepage in sieben Sprachen, die regelmäßig erneuert wird. Diese von Freiwilligen erbrachte Leistung verdient es, einmal gewürdigt zu werden. In dieser Arbeit steckt viel Herzblut. Von Zürich aus koordiniert Katharina Haller unermüdlich die Aktivitäten des Übersetzernetzes, das mehrere Länder umspannt.
 
liens d'amitié Wir haben die Zeit, die wir zusammen verbringen durften, für Gespräche genutzt, Freundschaften wurden geknüpft. 

Es ist wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit eine Standortbestimmung machen und in die Zukunft schauen. Aber die Erfahrung der Freundschaft war noch wichtiger.
Nach Lissabon wissen wir, dass wir aufeinander zählen können.
   

 

     
   

Weinernte

temps des vendanges Ich weilte bei einer Weinbauernfamilie im Burgund. Die Weinlese war in vollem Gange. Zur allgemeinen Freude würde sie wahrscheinlich reichlich und gut ausfallen. Ich spürte, wie dieser sonnige, milde September die Menschen glücklich machte. 

Lange betrachtete ich die von der Abendsonne beschienenen Reben und die wunderschöne Landschaft ringsherum.
Ich näherte mich den jungen Leuten, die im Weinberg beschäftigt waren. Sie schnitten die Trauben von den Rebstöcken; einige waren so müde, dass sie diese Arbeit sitzend verrichteten. Ich sah, dass sie auf den Schwächsten Rücksicht nahmen. Andere kamen, füllten ihre Tragkörbe, trugen sie zum Traktor und leerten sie dort.
Es herrschte eine aufgeräumte Stimmung. Ich munterte sie auf, indem ich sagte, es sei bald Feierabend.

Erschöpft und hungrig versammelten sie sich später zum Abendessen. Es war ein langer und strenger Tag gewesen für sie.  le repas

Aber nach dem Essen fragte einer von ihnen: "Was machen wir heute Abend? Gehen wir aus? In die Stadt?". Und plötzlich waren sie alle wieder voller Energie und zogen los, um dann spät in der Nacht wieder zurückzukehren.
Beim Aufstehen am nächsten Tag um sieben Uhr war die Stimmung dann allerdings wieder gedämpfter.

   

 

     
   

Sonntagsmesse

Die große, moderne Kirche von Ravensburg in Bayern war gedrängt voll. Ich freute mich, an der Seite des Pfarrers, eines Freundes von mir, der Eucharistiefeier vorzustehen mit all den Leuten, denen man ansah, dass sie gern in die Kirche gekommen waren.

Ganz vorne standen der Chor und einige Musiker. Aber es war das Volk, das sang. Ich werde nie müde, eine singende Menge zu betrachten. Es kommt so selten vor! Die Deutschen singen gern, es ist ihnen zur zweiten Natur geworden. Man sah ihnen ihre Freude an. Ich ließ mich von ihren Gesängen tragen.

Das Chor war voll von Ministranten, Buben und Mädchen. Als ich anfing, auf Deutsch ein Gebet zu sprechen, merkte ich, wie sie aufmerksam zuhörten und wie ihnen meine Aussprache manchmal ein belustigtes Lächeln entlockte.

autour d'autel Vor dem Vaterunser-Gebet forderte der Pfarrer alle Kinder auf, sich um den Altar herum aufzustellen. Sogleich kamen sie aus ihren Bänken hervor, wie Vögel aus ihren Nestern. Ich bemerkte, wie zwei sehr kleine Kinder als Letzte zum Altar trippelten, einander bei der Hand haltend.


Jede Bitte des Vaterunsers wurde von einer Geste begleitet. Die Kinder machten es auf äußerst natürliche, ungekünstelte Art. Ich versuchte, sie so gut wie möglich nachzuahmen.
An diese Sonntagsmesse werde ich mich noch lange erinnern.