Logbuch: November 2000 

  Rassistischer Aufruhr in El Ejido  In Österreich
  In Rom  Eine Kette der Solidarität 
  Geschichte von Partenia und Biographie von Bischof Jacques Gaillot
  Archiv  Partenia auf CD-Rom 

 

Info special: die neue Seite
Brief von Georges Vimard, Priester in Gaza
 
 

PARTENIA

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 Rassistischer Aufruhr in El Ejido

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Mit einer kleinen Delegation machen wir uns auf, um der Vereinigung "Mujeres progresistas" (Progressive Frauen) von El Ejido in Andalusien einen Menschenrechtspreis von 10'000 Schweizer Franken zu übergeben.
Die Gegend ist sehr wohlhabend geworden, seit sie sich auf die intensive Produktion (Treibhäuser auf einer Fläche von 30'000 ha) von Obst und Gemüse spezialisiert hat. Ein Plastikmeer erstreckt sich bis zum Horizont. Zehntausende von Afrikanern, vor allem Marokkaner, verrichten dort sehr harte Arbeit. Sie verbringen ihr Leben unter den Kunststoffplanen!
Die "Mujeres progresistas" hatten den Mut, diese Einwanderer zu verteidigen, als es im Februar dieses Jahres zur Hetze gegen die Ausländer kam. Trotz den Drohungen, die sie erhielten, und obwohl ihr Lokal geplündert wurde, machten sie mit außerordentlichem Mut weiter, in einer von Rassenhass geprägten Atmosphäre.
Während der "Maurenjagd" im Februar wurden Wohnungen, Cafeterien, marokkanische Läden und zwei Moscheen verwüstet. Es gab etwa sechzig Verletzte und Hunderte von Obdachlosen. Der Schock war groß in Spanien. Es wurde eine internationale Untersuchungskommission einberufen. Ihr Bericht ist niederschmetternd.
Zu dieser Zeit begann für 59 Einwanderer der zwölfte Tag ihres Hungerstreiks. Sie waren im Untergeschoß der Kirche San José in Almería eingesperrt. Durch die Kellerfenster kann ich mit ihnen reden. Die Polizei, die hier Wache steht, lässt mich nicht eintreten, so dass gleich die Presse mobilisiert wird!

     

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 In Österreich

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Die Rückkehr in die Stadt Linz ist für mich sehr eindrücklich, und zwar wegen der dunklen Periode ihrer Geschichte. Wie könnte man ihre Rolle während des Zweiten Weltkrieges vergessen? In den Fabriken wurde mit Hochdruck für die Rüstung der Nazis gearbeitet. Tausende von italienischen und französischen Gefangenen wurden dort eingesetzt. Später wurde die Stadt mehrmals von den Alliierten bombardiert.
Der Bischof von Linz empfängt mich auf sehr freundschaftliche Art. Er berichtet mir von der Opposition einiger konservativer Christen anlässlich meines Besuches. Sie hatten beim Nuntius interveniert. Aber der Bischof hatte Mut bewiesen und war bei seinem Entschluss geblieben.
Ich hatte sehr erfreuliche Begegnungen, so zum Beispiel mit Jugendlichen des bekannten Petrinum-Lyzeums. Sie sind stark im Internet präsent, zeigten mir ihre Homepages und sprachen von ihren Projekten in Lateinamerika, besonders Nicaragua.

   

 

     
   

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 In

Rom

Im Flugzeug nach Rom wurde ich von einigen Passagieren angesprochen: "Nehmen Sie morgen am Bischofsjubiläum teil? Unser Bischof ist schon dort. Es heißt, dass 1500 Bischöfe erwartet werden?" Zu Ihrem Erstaunen musste ich zugeben, dass ich davon nichts wusste. Ich wusste nicht, dass an diesem Sonntag ein Bischofsjubiläum stattfinden würde. Ich ging nach Rom, um beim Generalrat der Spiritaner einen Einkehrtag zu leiten. Das Mutterhaus dieses Ordens, ein gastfreundliches Haus, auch für Passanten, befindet sich auf dem Monte Mario. Ich lernte dort afrikanische Priester und malgassische Bischöfe kennen. Aber schon bald mussten wir aufbrechen, Rom verlassen und uns in die Einsamkeit und Stille der abruzzischen Berge begeben.
Die Harmonie, die von der Landschaft ausging, die seltsame Schönheit der Berge und noch mehr die Spiritualität der Teilnehmer hatten eine große Wirkung auf mich.
Ich dankte Gott für diese Männer aus Nigeria, Angola, Irland … und auch aus Frankreich, die alles verlassen hatten, um Christus nachzufolgen. Sie trugen die Freude des Evangeliums in sich.

   

 

     
   

Eine Kette der Solidarität

Auf Wunsch des Direktors der Schule Saint Paul von Ajaccio nahm ich dort am Welttag gegen das Elend teil. Seit Tagen hatten sich Schüler, Lehrer und Eltern darauf vorbereitet.
Am Morgen zog sich eine große Kette der Solidarität, bestehend aus 400 Kindern, vom Schulportal bis zur Präfektur hin, wo eine Delegation vom Präfekten empfangen wurde.
Auf dem Cours Napoléon verteilten Jugendliche den Passanten stolz eine feierliche Erklärung. Dann fanden Begegnungen von verschiedenen Klassen und Vereinigungen von Ajaccio statt. Die Fragen schienen mir noch interessanter zu sein als die Antworten: "Hat die Not immer schon existiert? Wann hat sie begonnen? Wird sie eines Tages verschwinden? Warum verschleudern die Reichen ihr Geld, statt es den Armen zu geben? Gab es vor Ihnen schon einen Bischof der Ausgeschlossenen? …"
Wie mir der Direktor sagte, war das Ganze aber nicht ohne Schwierigkeiten abgelaufen, am Bischofssitz und bei den Eltern einiger Schüler hatte es Probleme gegeben, als bekannt wurde, dass ich kommen sollte. Aber er gab nicht nach. Als ich diesem dynamischen Direktor zuhörte, kam er mir auf einmal ein bisschen vor wie Napoleon! …