Logbuch: Juli 2000 

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Rückkehr nach Evreux

Im Januar 95 hatte es überraschend ein stürmisches Pfingstereignis gegeben. Im Jubiläumsjahr wurde Pfingsten im Zeichen der Brüderlichkeit gefeiert, der Sturm war einer leichten Brise gewichen.

Zwei Pfingstereignisse, die miteinander im Zusammenhang stehen, eins ruft nach dem andern. Dazwischen: ein Reifungsprozess, die Überwindung von Schwierigkeiten, eine Öffnung ... Als ich die versammelte Menge sah, dankte ich für den zurückgelegten Weg.

Ich konnte kaum mehr aufhören, die Leute zu begrüßen, die mir so viel Freude bereitet hatten. Wie die losgelassenen Friedenstauben - ein herrlicher Anblick - verliess ich Evreux, glücklich darüber, dass das Evangelium weiterwirkt und so viele Früchte trägt.

     

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"Das Geheimnis Paulus"

Ich bin von Abraham Segal, dem Regisseur des Films "Le mystère Paul", zusammen mit Didier Sandre, zu einer Diskussion mit Rabbi Daniel Farhi von der Liberalen Jüdischen Bewegung Frankreichs eingeladen worden. Ein packender Film. Welches ist für Christen und Juden der Sinn der Bekehrung des Paulus? Welches ist seine Rolle bei der Gründung und der Entwicklung des Christentums?

Paulus ist der paradoxe Apostel. Er lässt niemanden kalt, ob es sich nun um Pasolini, Freud oder Nietzsche handelt. Die Juden haben ihn oft als Verräter und Feind betrachtet. Heute sehen sie ihn mit andern Augen an.

Der Kinosaal ist brechend voll. Die Jungen sind stark vertreten. In der Diskussion wird deutlich, inwiefern Paulus uns heute etwas zu sagen hat. Der Apostel geht über das Gesetz hinaus, überwindet kulturelle, soziale und religiöse Schranken und ermöglicht so eine grenzenlose Brüderlichkeit, indem er die Würde des Menschen betont, die für alle gleich ist: "Es gibt weder Juden noch Griechen mehr, weder Mann noch Frau ..." Für viele ist und bleibt er der Freiheitsapostel.

   

 

   

 

   

Solidarität mit Rémi

Ich nehme mit Rémi zusammen an einer Sendung auf Europe 1 teil. Er ist 23 Jahre alt. Er war im "Mac Do" von Albi angestellt. Er machte den Fehler zu glauben, heutzutage könne man in Frankreich mit Bedürftigen solidarisch sein. Weil er zu Lasten seiner eigenen Mahlzeitenkarte
einer bettelnden Frau fünf Cheeseeburger überliess, wurde Rémi entlassen, um "ein Exempel zu statuieren". Der Grund: "schwerwiegende Missachtung des Arbeitsvertrages und des internen Reglements bezüglich der Mahlzeitenregelung".

Rémi will seine missbräuchliche Kündigung vor Arbeitsgericht anfechten. Ich unterstütze ihn dabei, mit vielen andern zusammen. Wir fordern das Recht, einander helfen zu können. Wir sind gegen die Solidaritätsverneinung.

Rémi ist kein Einzelfall. Sein Sieg wird der Sieg all jener sein, die heute gegen die Unsicherheit am Arbeitsplatz und für die Achtung der Persönlichkeit kämpfen.

   

 

     
   

Papierlose von Lille

An diesem Pfingstmontag besuche ich auf Einladung des Unterstützungskomitees die Papierlosen, die sich seit 70 Tagen im Hungerstreik befinden. Ich begebe mich in die fünf Krankenhäuser, in die sie verstreut wurden: CHR von Lille, Seclin, Armantières, Roubaix und Tourcoing.

22 von ihnen empfangen mich, trotz ihres Erschöpfungszustandes. Während dieses Besuchs lässt man mich wissen, der Polizeipräfekt wolle mich sehen. Er empfängt mich zu einem Gespräch unter vier Augen. Die Situation bekümmert ihn, und er zeigt sich menschlich. Wenn die Papierlosen den Hungerstreik abbrechen,. will er ihre Akten prüfen. Er bittet mich, mich in diesem Sinne bei ihnen einzusetzen. Aber werden diese 22 Papierlosen nach 70 Tagen Hungerstreik einwilligen, nur auf dieses Versprechen hin? So oft sind sie schon enttäuscht worden, weil man die Versprechen nicht gehalten hat!

Die erste Antwort zeigt schon, wie ihr Gemütszustand ist: "Sag dem Präfekten, ich wisse ganz genau, dass meine Gesundheit futsch ist, aber wenn er wirklich menschlich sein will, so muss er mir jetzt meine Papiere geben. Er stellt uns eine Falle, er gibt uns keine Garantie für die Legalisierung, nicht mal schriftlich."

Ich kann die Gesichter dieser Menschen nicht mehr vergessen. Sie sind ohne Papiere, aber nicht ohne Hoffnung. Sie sind ohne Kraft, aber nicht ohne Entschlossenheit. Die Verhandlungen gehen Tag für Tag weiter. 

   

 



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Sonnenaufgang in der Wüste
Ich wähle die Freiheit

Jacques Gaillot

Original: Je prends la liberté

Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, beschäftigte er die Kirche Frankreichs. Seit er am Freitag, den 13. Januar 1995, als Bischof von Evreux abgesetzt und an den Wüstenort Partenia strafversetzt wurde, beschäftigt er die Weltkirche. Aber nicht nur die Kirche: Auch jene Menschen, die schon lange nicht mehr entlang den kirchlichen Vorgaben leben, orientieren sich an ihm und hungern nach seinen Worten und seinen zeichenhaften Aktionen.

Wie in keinem der anderen Bücher geht Jacques Gaillot auf seine eigene Person ein: Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Saint-Dizier, von den Träumen und Zweifeln, die ihn als jungen Mann heimgesucht haben, von der Ausbildung im Seminar, von den Einsätzen im Algerienkrieg, von den verschiedenen kirchlichen Aufgaben, die ihm vor dem Einsatz als Bischof von Evreux anvertraut waren, von der Einsamkeit und der Fülle der Begegnungen eines Bischofs.
 
ISBN 3-905 585-00-6, 1997
 
 

Knospe, du trägst die Kraft zur Blüte
Begegnung mit dem Evangelium

Jacques Gaillot

Original: Ce que je crois
 
Im diesem Buch erzählt Jacques Gaillot von spontanen Begegnungen. Er eröffnet in seinem ihm eigenen Stil seinen Glauben.
Es vergeht kein Tag, ohne daß sich Menschen mit ihren Sorgen, oft auch mit einem Hilfeschrei, aber auch mit ihren Freuden an ihn wenden.
Er bietet uns hier eine Handvoll erlebter Geschichten an. Meditiert ihren möglichen Sinn und läßt sie so zu echten Gleichnissen werden.
Freimütig führt er uns in seine Perspektiven eines Glaubenden, der mit den Problemen dieser Welt konfrontiert ist.
Seine Erzählungen sind Beispiele aus allen Lebensbereichen.
 
Einfache Begegnungen, wie jene:
- mit jungen Maghrebinern in kalter Winternacht
- mit dem Taxichauffeur, der unvermittelt aus seinem Leben zu erzählen beginnt
- mit dem glücklichen Vater eines eben zur Welt gekommenen Töchterleins
 
Sorgen und Schicksalsschläge vertrauen ihm die Menschen an:
- eine Mutter, die bei einem Bombenattentat ihre Tochter verliert
- eine junge Frau will ihre Schwangerschaft abbrechen
- ein aidskranker Homosexueller, der dem Tode nahe ist
- das Drama Alis, des Ausgestoßenen
 
ISBN 3-905 585-01-4, 1997
 
Die Bücher sind in jeder Buchhandlung, oder direkt beim Verlag, Edition K. Haller erhältlich.